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Clara Zetkin – couragiert und streitbar | Drucken |  E-Mail
Barbara Schulz   
01.09.2007

Am 30. August ist es 75 Jahre her, dass Clara Zetkin als Alterspräsidentin die Eröffnungsrede im Reichstag hielt.

Schwer krank war sie aus Archangelskoe bei Moskau nach Berlin gekommen, unter sorgfältiger Geheimhaltung, denn die Nationalsozialisten, die im Sommer 1932 mit 230 Abgeordneten die stärkste Fraktion stellten, hätten gerne verhindert, dass die bekannte Kommunistin und Frauenrechtlerin auftreten konnte. Clara Zetkin hielt eine Rede für die Einheitsfront gegen den Faschismus, sie betonte die Gefahr besonders für die Werktätigen. Clara Zetkin hatte längst Zweifel an der Politik der Sowjetunion, an der Haltung der KPD, aber sie äußerte sie nicht öffentlich, sondern in Briefen und privaten Gesprächen. Diese Schwäche ist erklärbar und verständlich, sie war gesundheitlich in einem schlechten Zustand, fast blind, und lebte in einem Sanatorium bei Moskau. Sie wollte aber auch an der Seite der Kämpfenden sein. So suchte sie die Auseinandersetzung nicht mehr; im folgenden Jahr starb sie 75jährig, ihr Geburtstag jährte sich im Juli zum 150sten Mal.
Kämpfe
Mehr als hundert Jahre zurück kämpfte sie in ganz besonderer Weise für die Rechte der Frauen, insbesondere für ihr Recht auf Erwerbsarbeit. Ihre erste Rede hielt sie in einer Atmosphäre, in der die Männer der Sozialdemokratie Frauenerwerbsarbeit noch als „Schmutzkonkurrenz” denunzierten, als wären die Frauen für die Lohnhöhe im Kapitalismus verantwortlich. Zudem bestand in der Arbeiterschaft eine verständliche Sehnsucht nach einem „bürgerlichen Leben“, einem Stück Familienleben.

Clara Zetkin sah die Frau in doppelter Unterdrückung, der sozialen und der geschlechtlichen. So arbeitete sie unermüdlich für die Organisierung der Frauen in Partei und Gewerkschaft. Bis 1908 war die Organisierung der Frauen nicht gestattet bzw. erschwert, zuweilen nahmen sie in Männerkleidung an Versammlungen teil. Sie trat für das Wahlrecht der Frauen ein. Etwas zwiespältig ist ihre Haltung zur gesonderten Organisierung der Frauen, aber sie trat für ein besonderes Her­angehen an die Frauen ein. Sie beteiligte sich als Herausgeberin der „Gleichheit”, einer Zeitung für Frauen, mit einer Kinderbeilage und einer Literaturbeilage! Sie steigerte die Auflage von 2000 Exemplaren 1892 auf 125 000 im Jahre 1914.

Die „Entfaltung“ der Frau zum „Vollmenschen“ ging nach ihrer Auffassung aber nur in „Rebellion gegen die Familie“. Erinnert uns das nicht an die gegenwärtige Diskussion um „Herdprämie“ und Krippenplatz? Clara Zetkin ist allerdings in Fragen der Sexualität nicht immer so entschieden. Freie Liebe, wenn sie Liebe ist, sah sie nicht als unmoralisch, aber in der „Gebärstreikdebatte“ 1912/13 waren Clara Zetkin und Rosa Luxemburg anfänglich Gegnerinnen, später gab Clara Zetkin aber zu, dass das die Entscheidung der Frau sein müsse. Sie setzte sich für die Abschaffung des §218 ein und beteiligte sich 1931 an der Kampagne der KPD; damals schon verbunden mit einer Selbstbezichtigungskampagne „Ich habe abgetrieben“.
Leben
Wie aber hat Clara Zetkin gelebt? 1857, am 5. Juli, wurde sie als Clara Eißner in Wiederau geboren, ihre Mutter entstammte der Familie eines napoleonischen Besatzungsoffiziers, der in Leipzig geblieben war, ihr Vater war ein christlicher Lehrer und Kantor, sympathisierend mit der Revolution von 1848. Nachdem die Familie nach Leipzig gezogen war, bekam Clara eine qualifizierte Ausbildung als Lehrerin. In Studierendenkreisen lernte sie Ossip Zetkin kennen, sie kam mit sozialistischen Ideen in Kontakt, löste sich aus ihrem bürgerlichen Umfeld und folgte Ossip Zetkin nach Paris. Sie lebte unverheiratet mit ihm zusammen und hatte zwei Söhne mit ihm. Nach seinem frühen Tode 1889 kehrte sie nach Deutschland zurück, nach Sillenbuch b. Stuttgart, nicht gern gesehen, schließlich war sie für Kaiser Wilhelm II die „gefährlichste Hexe des Deutschen Reiches“! Sie hielt in Paris die Familie mit Unterricht und Übersetzungen über Wasser, arbeitete als Journalistin und Herausgeberin, war eine der wichtigsten Funktionsträgerinnen der SPD; später KPD. Als Rednerin soll sie von großer Überzeugungskraft gewesen sein. Sie war entscheidend für die Durchsetzung des Internationalen Frauentags. Unkonventionell heiratete sie den wesentlich jüngeren Künstler Friedrich Zundel, von dem sie sich 1917 wieder trennte.

Und sie war in ihrer ganzen Arbeit zielgerichtet, selbstständig und diszipliniert, ein Leben nach dem Motto: Dort kämpfen, wo das Leben ist. Nach ihrem Tode am 20. Juni 1933 wurde sie an der Kremlmauer beigesetzt, begleitet von 600 000 Trauernden.

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