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Bernd Brosius:
Strukturen der Geschichte
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Cover: Strukturen der Geschichte
122 Seiten, 12 €
ISBN 978-3-89900-122-8
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Neuer Feminismus der Alpha-Mädchen? | Drucken |  E-Mail
B.S.   
01.07.2007

Seit Monaten plagen uns die Medien mit den unterschiedlichsten Varianten des Krippenspiels. Zumindest auf Bundesebene scheint alles geregelt. Um bis 2013 für 35 % der unter Dreijährigen Krippenplätze vorzuhalten, will der Bund ein Sondervermögen von vier Milliarden Euro einrichten. Da Bildung eigentlich Ländersache ist, muss der Bund eine Konstruktion schaffen, um seine finanzielle Beteiligung zu regeln. Was ist es, das diesen Eifer hervorruft?

Zwei Beweggründe kann mensch annehmen:

1.    Die Zahl eher gut ausgebildeter Frauen, die Erwerbsarbeit der Kinderbetreuung vorzieht, weil sie sich nicht abschneiden lassen will von Einkommen und Einfluss, und die Abhängigkeit von einer unsichern Person oder Institution zu meiden versucht, ist einfach zu groß. Mit dem Elterngeld könnte eine Phase überwunden werden, aber nach einem Jahr schnappt die Falle zu. Durch eine verlässliche Kinderbetreuung verliert frau den Anschluss nicht so leicht, sie ist besser verwertbar. Zudem ist ein Einkommen für eine Familie heute kaum ausreichend. Allerdings sollte mensch auch sehen, dass selbst bei veränderter Lohnarbeit gerade für gut Ausgebildete Erwerbsarbeit immer noch ein Stück Freiheit bedeutet. Wenn der Spiegel sich gerade in einer Serie den „Alpha–Mädchen“ widmet, zeigt er eine Generation, die eigenständig und selbstbewusst scheint. Die vorgestellten Mädchen sind natürlich nicht Bandarbeiterinnen oder Lidlverkäuferinnen.

2.    Die Zahl der Kinder, deren Konditionierung nicht mehr so gelingt, wie es die Gesellschaft fordert, ist ebenfalls zu groß. Mit der Krippenerziehung, den Kitas und Ganztagsschulen ist auch Druck auf die Kinder verbunden. Wenn irgendwelche Vorbilder zitiert werden, dann mit dem Tenor, wie früh und gut die Kinder in anderen Ländern lernen. Und dieses Lernen ist schon sehr früh im negativsten Sinne verschult. Es wird Nützliches betrieben, und es wird genormt. Stufenweise wird kontrolliert, was kind kann. Wenn unsereiner/m schon vor Schülerbögen graut, die die Entwicklung jeder Schülerin und jedes Schülers nachzeichnen, dann graust es einer/m noch mehr, wenn sich das ins Kleinkindalter verlängert. Natürlich wird niemand dagegen sprechen, dass die körperliche, geistige und seelische Entwicklung eines Kindes beobachtet wird. So wie gegenwärtig aber darüber geredet und geschrieben wird, steht dahinter der Gedanke der Normierung. Wenn sich der Schulunterricht von Vergleichsarbeit zu Vergleichsarbeit hangelt, ist die individuelle Entwicklung nicht mehr der Orientierungspunkt, sondern die Klassifizierung. Wer spricht noch von Berichtszeugnissen, in denen die individuellen Fortschritte eines Kindes eine Rolle spielten? Frühjahrsblüher bei Zehnjährigen mit einem Arbeitsbogen ohne Ausflug in die Natur „durchzunehmen“, ist wenig kindgerecht, aber abprüfbar.
Natürlich gibt es auch Wissenschaftler, die davor warnen, Kinder nur mit Vorschriften und Verboten zu erziehen. Menschen bilden sich durch Vertrauen. Wer mir vertraut, dem vertraue auch ich, wenn ihr mir etwas zutraut, traue auch ich mir etwas zu. So ist es nicht uninteressant, dass bei all dem Theater um die Krippenplätze kaum ein Wort darüber verloren wird, woher die Erziehenden, die Betreuenden kommen sollen. Fachleute meinen, es würden 80 000 bis 100 000 Fachkräfte gebraucht. Und modern Denkende sehen dabei nicht nur weibliche Kräfte. Orientiert an den skandinavischen Ländern sollten sie zumindest an Fachschulen, wenn nicht sogar an Hochschulen ausgebildet sein.

Frauen zwischen 18 und 29 halten bei Befragungen den Feminismus nicht für überflüssig, 81 % sehen die Gleichberechtigung noch nicht erreicht. Wie der Spiegel behauptet, ist der junge Feminismus pragmatisch, nicht ideologisch, der Feind nicht der Mann, sondern die gesellschaftlichen Strukturen. Mit dem neuen Unterhaltsrecht, das die Geschiedene nicht mehr beim Unterhalt bevorzugt, sondern die Kinder, auch aus einer weiteren Beziehung, wird den Frauen verstärkt deutlich, dass sie ökonomisch selbstständig sein müssen. Wie weit das gute alte Familienbild zerstört ist, kann mensch daran erkennen, dass die spöttisch als „Herdprämie“ bezeichnete Unterstützung der Mutter, die keinen Krippenplatz beansprucht, nur noch in tief konservativen Kreisen ihren Platz hat. Eva Herman und Bischof Mixta sind out! Führt das alles zu einer neuen Frauenbewegung?

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