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Wie die Volksfront Franco die Tore geöffnet hat | Drucken |  E-Mail
B.B.   
01.04.2007
Nicht ganz rechtzeitig zum 70. Jahrestag des Beginn des spanischen Bürgerkriegs erschien die Broschüre Verratenes Spanien zum ersten Mal in deutscher Sprache in der Reihe Internationale Theorie, Heft 32.

Der Text erschien zum ersten Mal im Mai 1939 auf französisch, geriet aber später weitgehend in Vergessenheit. Die Broschüre beeindruckt durch ihre lebhafte Schilderung der Ereignisse, die wir dem Autor Michel (Mieczislaw) Bortenstein verdanken. Verratenes Spanien: Wie die Volksfront Franco die Tore geöffnet hat wirft vor allem einen anderen Blick auf diesen Verrat. Nicht zuletzt gibt die Broschüre Hinweise darauf, dass die Organisation der TrotzkistInnen im damaligen Spanien doch stärker war, als sie selbst bislang vermuteten.
Der Kämpfer als Autor
In der reichhaltigen revolutionären Literatur über den spanischen Bürgerkrieg nimmt Verratenes Spanien einen besonderen Platz ein. Michel Bortenstein (Pseudonym M. Casanova) war einer der leitenden Genossen der kleinen Organisation der TrotzkistInnen während der verpassten spanischen Revolution. Von der ersten bis zur letzten Seite ist spürbar, dass Bortenstein kein Kommentator am Rande der Ereignisse war oder einer, der vom grünen Tisch aus seine Analysen fertigte, sondern ein Kämpfer, der an allen „Fronten” dabei war.

Als politischer Aktivist in Polen verfolgt und in Frankreich illegal ging Michel schon im Juli 1936, unmittelbar nach dem nationalistischen Militärputsch nach Spanien und schloss sich einer Milizeinheit der anarchosyndikalistischen CNT an. Er kämpfte an der Front, arbeitete danach als Buchhalter in einer Kriegsfabrik in Katalonien und war zuletzt Manager einer Metallfa­brik der Kriegsindustrie in Barcelona. Michel Bortenstein stand aber auch mitten im politischen Geschehen. Er nahm an Diskussionen der Vertreter der IV. Internationale mit der POUM-Führung teil, besuchte die Veranstaltungen dieser halbtrotzkistischen Partei wie die der CNT, und trat dabei für seine revolutionär-marxistischen Überzeugungen ein, notfalls, wie im Mai 1937 auf den Barrikaden Barcelonas, mit dem Gewehr in der Hand. Seine vielfältigen Erfahrungen bereichern die Broschüre ungemein und unterscheiden Verratenes Spanien von ähnlichen Darstellungen und Analysen des Geschehens.
Die Facetten des Verrats
Zentraler Punkt der Spaniendebatte zwischen Stalinismus und Trotzkismus bildet seit jeher die Bewertung der Ereignisse vom Mai 1937 in Barcelona. Worin wir den konterrevolutionären Anschlag zur Niederschlagung der revolutionären ArbeiterInnenklasse sehen, behaupten die anderen, der Arbeiteraufstand sei unter Führung der „trotzkistischen” POUM der Volksfrontregierung und dem Kampf gegen den Faschismus in den Rücken gefallen.

Michel Bortenstein fügt mit dem Putsch der „republikanischen” Militärspitze unter Miaja-Casado im März 1939 gegen die Volksfrontregierung Negrin und der Bildung einer „republikanischen” Militärjunta einen bisher wenig beachteten Punkt in die Debatte ein. Die republikanischen Militärs begannen Seite an Seite mit den Stalinisten ihren Aufstieg unter der Volksfrontregierung mit der Wiederherstellung bürgerlicher Armeestrukturen auf Kosten der revolutionären Arbeitermilizen. Sie erreichten nach der Niederlage der revolutionären Arbeiter­Innenklasse Barcelonas im Mai ´37 immer größeren Einfluss. Ab da wurden die StalinistInnen nicht mehr gebraucht und letztendlich von den Militärs ausgeschaltet. Wie Bortenstein darstellt, hätte die spanische Rest-Republik, die immerhin fast noch ein Drittel Spaniens umfasste, durchaus weiter Widerstand gegen Franco leisten können. Doch die Junta Miaja-Casado händigte die Republik kampflos an Franco aus. Was für ein Resultat der Volksfrontpolitik! Eine ähnliche Frage, die Bortenstein entwickelte, ist der Punkt, ob die Eliteeinheiten der Internationalen Brigaden freiwillig entwaffnet und abgezogen wurden.
Die IV. Internationale in Spanien
Bortenstein stellt auch die Arbeit der trotzkistischen Organisation in Spanien dar, deren Leitung er bis zuletzt angehörte. Gegenüber der POUM, die in Katalonien Masseneinfluss besaß, war die Gruppe der Bolschewiki-Leninisten winzig. Aber sie war doch größer als allgemein vermutet. Immerhin 100 AnhängerInnen der Vierten Internationale, die noch nicht so hieß, kamen nach dem 19. Juli 1936 aus verschiedenen Ländern nach Spanien u.a. Franzosen, Belgier, Schweizer, Holländer, Italiener, Deutsche, Polen, Dänen, Tschechoslowaken, Kubaner, US-Amerikaner und Südafrikaner. Ebenso gehörten Flüchtlinge aus der Estremadura, AktivistInnen der POUM in Madrid und Barcelona und der CNT zur trotzkistischen Organisation. Auch wenn nicht alle diese GenossInnen zum gleichen Zeitpunkt in Spanien kämpften, so waren es doch bedeutend mehr als bisher angenommen. Ein Gesamtüberblick über die Aktivitäten der zukünftigen IV. Internationale im spanischen Bürgerkrieg und der Unterstützungsarbeit der Sektionen ist von der Forschung bisher nicht vorgelegt worden. Dazu könnte Bortensteins Broschüre anregen.

Leider fehlen am Ende der Broschüre einige Fußnoten, die sicherlich bei der 2. Auflage ergänzt werden. Auch dem Titelbild ist etwas mehr Farbe – bitte rot! – zu wünschen.

 

internationale theorie Nr. 32  - Verratenes Spanien (Inhaltsverzeichnis und Bestellmöglichkeit)

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