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„Die Revolution steht bevor” | Drucken |  E-Mail
Korrespondent Celle   
01.02.2007

Bei Slavoj ˇi˛ek handelt es sich um einen ebenso originellen wie kritischen Theoretiker. Der gebürtige Slowene nimmt in seinem Buch „Die Revolution steht bevor” die spätkapitalistische Gesellschaft unter die Lupe – aus leninistischer Sicht.

Dass ein Lenin zwischen Febru­ar und Oktober 1917 große Schwierigkeiten mit der eigenen Partei hatte, diese Tatsache wird vom Autor explizit herausgearbeitet. Der positive Verweis auf „Staat und Revolution“, sowie „Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus“ ist hilfreich: Müssen wir doch in der Praxis den entscheidenden Punkt zwischen Putschismus einerseits und Opportunismus andererseits finden – keine leichte Aufgabe, zugegeben. Hüten wir uns aber auch vor metaphysischer Verabsolutierung „der Klasse“ ebenso wie vor intellektueller Arroganz. 1969 meinte der französische Kulturpessimist Cioran, „das 21. Jahrhundert werde Hitler und Stalin als Chorknaben betrachten”. Ob die modernisierte Barbarei definitiv zur Realität wird, hängt von uns allen ab. Zurecht verweist ˇi˛ek auf den Unterschied zwischen „objektivem Beobachter“ und „engagiertem Betreiber”. Permanenzrevolutionäre warten nicht auf die Revolution, sondern bereiten sie systematisch vor (siehe Engels: „Über die politische Aktion der Arbeiterklasse“ 1871).

Man muss ˇi˛ek zustimmen: Es existiert keine „authentische” Arbeiterklasse. Wir haben vielmehr von einer „werdenden“ auszugehen – Tendenzen im Klassenkampf sollten wir kritisch-materialistisch aufspüren, uns subversiv-revolutionär wenden. Was wir brauchen ist eine neue APO, diesmal ohne SDS und „sektiererische Eierschalen hinter den Ohren” (Dutschke). Die bewusst-schöpferische Machbarkeit der Geschichte durch die Volksmassen wird im Laufe der rasanten Entwicklung der Produktivkräfte potentiell größer. Unsere Chancen sind größer als vor 80 Jahren.
Historisches Subjekt?
Die „Linke” glaubt, ein historisch ernst zu nehmendes Subjekt zu sein. Sie will nicht wahrhaben, wie leicht sie korrumpierbar ist und zum gesellschaftlichen Objekt verkommt. Die z.B. als ausgemacht geltende Fusion WASG plus PDS zur „Linkspartei“ ist ein Rückfall in alte Relikte. Da steigen abgetakelte Stalinisten mit frustrierten DGB-BürokratInnen ins gemeinsame Bett. Schaut man diesen Apparatschiks genauer auf die Finger, so wird einem übel (realiter betreiben sie „neoliberale“ Politik). Wir hingegen lehnen den bürgerlichen Parlamentarismus ab (über 80% der Deutschen wissen, dass sie keinen Einfluss auf die Politik haben – das haben jüngste Umfragen ergeben). Das aufstrebende Bürgertum stellte im 18. und 19. Jahrhundert dem Königshof „sein“ Parlament entgegen. Das Proletariat (d.h. die für ihre gesellschaftliche Emanzipation kämpfenden Massen) hingegen kennt die Demokratie „von unten” mit einem System direkter VertreterInnen, den Räten.

Wir stehen in Erbschaft von Aufklärung und bürgerlicher Revolution. Und wir sind SozialistInnen in der Tradition von Rosa Luxemburg und damit auch der weiterreichenden revolutionär-sozialistischen Umwälzung. Diese Linie eines emanzipatorischen Sozialismus schließt stalinistische Traditionen aus. In diesem Kontext sei daran erinnert, dass das Klasseninteresse stets eine Angelegenheit war, die über die arbeitenden Klassen hinaus die Gattung „Mensch“ betraf.
Falsch ist die Behauptung ˇi˛eks, Trotzki habe den Stalinismus nur als Produkt von Stalins Persönlichkeit begriffen. Der Georgier, der die Inhalte von Produzenten-Demokratie weniger kannte als die autoritär-bürokratischen Traditionen dieses „semi-asiatischen Landes“ (Marx), musste in der Phase des Abflauens der Revolution (nachlassende Selbst-Tätigkeit der Basis, Niederlagen in Westeuropa) zwangsläufig in den Vordergrund treten. Der Weg von der „Ein-Mann-Leitung“ (Lenin) in den Betrieben bis hin zu Stalins Diktatur war ein kurzer. Das alles wurde von Trotzki historisch-materialistisch analysiert, hier schlampert der Autor.

Benjamin hat es am Vorabend des Zweiten Weltkrieges geahnt: „Marx sagt, die Revolutionen sind die Lokomotive der Weltgeschichte. Aber vielleicht ist dem gänzlich anders. Vielleicht sind die Revolutionen der Griff des in diesem Zuge reisenden Menschengeschlechts nach der Notbremse.“ Eines Tages heißt die Alternative nicht mehr: „Diese Gesellschaft oder eine andere”, sondern mit Sicherheit: „Eine andere Gesellschaft oder keine“ (Türcke). Jedenfalls haben die modernen Lohn- und Arbeitssklaven ihr „letztes Wort“ noch lange nicht gesprochen. Geschichtsphilosophisch gesagt: Es ist durchaus möglich, dass der Selbsterhaltungstrieb in naher Zukunft sich mit dem Zwang zur Revolution verbindet. Dann werden die bewusst gewordenen Massen die ChaotInnen des Kapitals für immer vertreiben.

ˇi˛eks Buch ist auf hohem Niveau geschrieben und enthüllt eine Reihe stalinistischer Mystifikationen. Der klassische Marxismus lehrt die Einheit von Geschichte, Theorie und Praxis. Es geht um kritische Rezeption der Marxschen Theorie, ihrer Ausbreitung und Weiterentwicklung in den verschiedenen Perioden nach ihrer Entstehung.

Slavoj ˇi˛ek: „Die Revolution steht bevor“
Suhrkamp, 9 Euro

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