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Textilfabrik Brukman Argentinien - Geräumt, aber nicht besiegt | Drucken |  E-Mail
Klaus Engert   
01.06.2003

„Das Sein bestimmt das Bewußtsein“, hat Karl Marx geschrieben und der Beweis für diesen Satz wurde im Argentinien der letzten Jahre hundertfach angetreten. Ein herausragendes Beispiel ist die Textilfabrik Brukman in Buenos Aires.

Ursprünglich ein florierendes Unternehmen, das unter anderem für französische Kunden arbeitete, ging es mit dem Betrieb während des etappenweisen Zusammenbruchs der argentinischen Wirtschaft bergab. Die Besitzer schlossen schließlich wegen mangelnder Profitabilität das Unternehmen, nachdem sie schon seit 1995 nur noch einen Teil der Löhne bezahlt hatten und in den letzten Monaten fast nichts mehr, machten sich mit Geschäftsleitung und Vorarbeitern aus dem Staub und die Beschäftigten – fast ausschließlich Frauen – standen auf der Straße.

Daraufhin beschlossen die – vor diesen Ereignissen meist völlig „unpolitischen" – Arbeiterinnen, den Betrieb selbst weiterzuführen und besetzten ihn am 18. Dezember 2001. Sie organisierten selbstverwaltet die Produktion und konnten bis zum April dieses Jahres mit der Solidarität der Bevölkerung zwei Versuche der Polizei, die Fabrik zu räumen, verhindern. Beide Male wurde die Fabrik mit Hilfe der Solidarität der Nachbarschafts- und Arbeitslosenorganisationen und Beschäftigten anderer von den ArbeiterInnen übernommener Betriebe erneut besetzt.

Kurz vor den Wahlen (s. Kasten), in der Nacht vom 17. auf den 18. April, räumte schließlich die Polizei auf Verlangen der alten Besitzer, die ein Gerichtsurteil erwirkt hatten, mit mehreren Hundertschaften die Fabrik erneut. Der Versuch, mit insgesamt 7000 DemonstrantInnen den Betrieb zurückzuerobern, schlug fehl: Etwa 1000 Menschen wurden vorübergehend festgenommen, die Polizei verfolgte die flüchtenden DemonstrantInnen unter anderem bis in ein nahegelegenes Kinderhospital, wo sich die Klinikleitung über das Vorgehen der Einsatzkräfte entsetzt zeigte.

Doch die Brukman-Arbeiterinnen haben nicht aufgegeben. So beschlossen sie auf einer offenen Versammlung am 10. Mai, an der über 500 Menschen teilnahmen, vier zentrale Forderungen: Definitive Enteignung der Fabrik und der Maschinen; staatliche Produktionshilfen, Gehalts- und Abnahmegarantien.
Breite Unterstützung
Unterstützt werden sie dabei von den Belegschaften von inzwischen etwa 200 besetzten und selbstverwalteten Betrieben in ganz Argentinien. Denn während der 17 Monate, die die Frauen von Brukman ihren Betrieb führten, haben sie nicht nur Textilien produziert und sich drei- bis viermal in der Woche zu Belegschaftsversammlungen getroffen, um den Betrieb kollektiv zu organisieren: Sie knüpften die Kontakte zu den alten Kunden neu, eröffneten einen eigenen Laden, in dem die Produkte erheblich billiger verkauft wurden als vorher, sie nahmen Kontakt zu anderen besetzten Unternehmen wie Zanon in Neuquen (argent. Provinz) auf und organisierten Mitte April noch ein Belegschaftstreffen besetzter Betriebe, an dem über 700 ArbeiterInnen teilnahmen. Sie wollten nicht dabei stehenbleiben, ihre eigenen Arbeitsplätze zu verteidigen, sondern formulierten: „Koordinieren wir uns, um alle wichtigen Probleme unseres Landes anzugehen und nicht nur, um unsere je sektoriellen Forderungen an die Staatsmacht zu stellen."

Die Staatsmacht in Gestalt des Übergangspräsidenten Duhalde hat nun kurz vor den Wahlen ein Exempel statuiert. Die Räumung von Brukman soll Stärke demonstrieren, das geheiligte Privateigentum schützen und gleichzeitig eine Drohgebärde gegenüber den anderen Betrieben in Arbeiterselbstverwaltung darstellen. Aber was sie nicht rückgängig machen kann, ist den Bewusstseinssprung, den die Arbeiterinnen von Brukmann durchgemacht haben: Sie wissen jetzt, dass man für die Führung eines Betriebes keinen „Patron" braucht – und das werden sie auch nicht mehr vergessen.

 

Wahlen in Argentinien
Die Wahlen in Argentinien boten zwei Überraschungen. Da war zum einen die relativ hohe Wahlbeteiligung (80%) und die geringe Anzahl von ungültigen Stimmen, obwohl einige Basisorganisationen zum Wahlboykott bzw. zur Abgabe weißer Stimmzettel aufgerufen hatten. Zum anderen landeten die Kandidaten links der Mitte abgeschlagen hinter den beiden Gewinnern, dem korrupten Expräsidenten Menem und dem Gouverneur der Provinz Patagonien, Kirchner,auf den hinteren Plätzen. Zu einer Stichwahl kam es nicht mehr, Menem zog mit der lahmen Begründung, es sei eine „Hetzkampagne“ gegen ihn angezettelt worden, seine Kandidatur zurück. Kirchner hat dieses Ergebnis zwei Dingen zu verdanken : Erstens hatte er seinerzeit vor der Aufhebung der Währungsparität zum Dollar einen Teil des Provinzhaushalts als Dollaranlage auf die Seite geschafft und konnte deshalb auch nach dem de facto-Staatsbankrott Sozialprogramme bezahlen und zweitens gab es auf der zersplitterten Linken keinerlei glaubwürdige Alternative auf Wahlebene.
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