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3. November: 210. Todestag der Olympe de Gouge - Tribüne und Schafott | Drucken |  E-Mail
B.S.   
01.04.2004
Die Frauenbewegung der 70er Jahre hat sie wieder entdeckt, Olympe de Gouge, die Frau, die in der Französischen Revolution die Erklärung der Rechte der Frau formulierte und die am 3. November 1793 auf dem Schafott endete.

Olympe de Gouge, in gewisser Weise ein nom de guerre, ein Kriegsname, war die illegitime Tochter in einer Metzgerfamilie. Ihre Mutter war mit einem Adligen liiert, die Tochter Marie Gouze aber in der Ehe geboren. Die Mutter lehnte es ab, dass sie eine besondere Erziehung bekam. So sind sich ZeitgenossInnen und HistorikerInnen nicht sicher, ob sie überhaupt lesen und schreiben konnte. Sie wird jung verheiratet, bekommt einen Sohn, wird Witwe und bricht aus dem Provinzleben aus. Die verwitwete Marie Aubry, die sich den schönen Namen Olympe de Gouge zulegte, musste ihren Sohn von Fremden aufziehen zu lassen, wenn sie in Paris leben wollte. Da sie kein Vermögen hatte, war sie darauf angewiesen, als femme galante – Dirne, Kurtisane – zu Geld zu kommen. Zeitgenössisch klang das sehr dezent: „Dies ist Madame ..., der Monsieur... seinen Arm geliehen hat." Sie muss eine ausnehmend schöne Person gewesen sein. Immerhin hat sie auf diese Weise ca. 20 Jahre ein materiell recht angenehmes Leben geführt.
Literarisches Wirken
Olympe de Gouge hat in den Kreisen der Schriftsteller, Philosophen, d.h. in den führenden Kreisen der Pariser Gesellschaft, verkehrt. Sie wollte mitwirken in den bewegten Diskussionen der revolutionären Zeiten. So entfaltete sie eine rege Schriftstellerei. Sie verfasste Dramen – und hält sich etwas zugute, sie schnell und regelgerecht zu verfassen, d.h. zu diktieren. Sie wirkte mit Pamphleten und wie damals üblich mit Plakatierung ihrer Gedanken. Und sie dürstete nach Anerkennung! An den Aktionen der Frauen hat sie sich nicht beteiligt. Sie wollte literarisch wirken.

Politisch schwankte sie zwischen Extremen. Von ihrem Gerechtigkeitssinn getrieben, verfasste sie ein Drama, in dem sie die „Negersklaven" in den Kolonien menschlich darstellte. Den Schauspielern der Comédie Française graute bei dem Gedanken, sich mit schwarzer Wagenschmiere zu schminken. Das Drama wurde rasch vom Spielplan abgesetzt.
Die Rechte der Frauen
1791 verfasste Olympe de Gouge die Erklärung der Rechte der Frau und widmete sie – der Königin! Im Vorwort richtete sie wohlmeinende Ratschläge an Marie Antoinette als Frau. Ihr Entwurf sollte aber von der Nationalversammlung beschlossen werden. Sie formulierte parallel zur Erklärung der Menschenrechte in 17 Artikeln die Rechte der Frau und Bürgerin:

Art. 1
Die Frau wird frei geboren und bleibt dem Mann ebenbürtig in allen Rechten...

Als natürliche und unveräußerliche Rechte von Frau und Mann benennt sie:

„Freiheit, Eigentum, Sicherheit und insbesondere das Recht auf Widerstand gegen Unterdrückung."


Durch ihr eigenes Schicksal geprägt, mahnt sie das Recht der Frau an, den Vater eines Kindes zu benennen. Sie will gleiche Rechte der Frauen und gleiche Pflichten, etwa die Steuerzahlung, allerdings nur wenn sie auch an der öffentlichen Verwaltung beteiligt werden. In dieser Erklärung, auch in ihrem Entwurf eines „Gesellschaftsvertrags zwischen Mann und Frau", steckte sie Rechte und Pflichten ab.

Wichtig ist ihr, gehört zu werden. Das führt zu einigen grotesken Vorschlägen. So will sie Anwältin des Königs sein, obwohl sie republikanisch denkt. Und sie fordert Robespierre zum Duell. Beides ist für eine Frau des ausgehenden 18. Jahrhunderts wirklich tolldreist.
Und die Guillotine
Als die Guillotine gegen Männer und Frauen wütete, musste sie durchaus fürchten, für ihr ständiges Insistieren auf politische Teilhabe gestraft zu werden. In Art. 10 der Rechte der Frau fordert sie Meinungsfreiheit. Hier fällt ihr berühmtester Satz: „Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen, gleichermaßen muss ihr das Recht zugestanden werden, eine Rednertribüne zu besteigen."

Letzteres blieb ihr versagt, ersteres erreicht sie am 3. November 1793. Sie hatte mit einer Plakatierung gefordert, man möge das Volk die Staatsform wählen lassen, und das in einer Zeit, wo der terreur herrscht, die Revolution sich angegriffen sieht und „ihre Kinder frisst":

Können wir Olympe de Gouge eine Revolutionärin nennen? Jedenfalls hat sie mit ihrem rebellischen Geist etwas gefordert, was bis heute noch nicht wirklich erfüllt ist.
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