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Sieg der Postler – ein Ansporn für die Widerstandsbewegung | Drucken |  E-Mail
Socialist Resistance/MiWe   
01.12.2003
Der siegreich beendete wilde Streik der Postler hat den britischen ArbeiterInnen wieder Selbstvertrauen verschafft. Zuvor war die Gewerkschaftsbewegung durch Niederlagen und restriktive, gewerkschaftsfeindliche Gesetze, die in den entwickelten kapitalistischen Ländern ihresgleichen suchen, erheblich geschwächt worden. Den Postlern ist es mit ihren Aktionen zur Verteidigung der Arbeitsbedingungen gelungen, diese Gesetze nachhaltig zu untergraben.

Socialist Resistance sprach mit Pete Firmin, der am Rathbone Place in der großen Postverteilstelle der Londoner Innenstadt arbeitet, über diese Auseinandersetzung. Firmin ist einer der beiden Vertreter der Nachtschicht der Vereinigten Gewerkschaft im Kommunikationswesen CWU in Westend.

SR: Wann und warum begann der Streik in Eurer Dienststelle?


PF: Wir begannen damit am Nachmittag des 24. Oktober aus Solidarität mit den anderen Beschäftigten. Zuvor fand eine Vertreterversammlung aus ganz London statt, in der über die Taktik des Managements gesprochen wurde. Einige Westlondoner Ämter befanden sich bereits aus Solidarität mit den KollegInnen in Southall und Greenford im Ausstand. Unser Streik dauerte bis Montag, den 3. November und wurde von 90% der Belegschaft befolgt.

SR: Welchen Einfluss hatte die Position der Gewerkschaftsführung auf die KollegInnen?

PF: Einige wenige schreckten davor zurück, die Aktion zu unterstützen, weil sie von der CWU-Führung nicht ausdrücklich abgesegnet war. Und das Management sorgte natürlich eifrig für die Verbreitung des Schreibens, in dem diese ablehnende Haltung zum Ausdruck kam und verwies explizit darauf, dass es sich um einen gesetzeswidrigen und wilden Streik handelte. […]

SR: Welche Stimmung herrscht nun und wie verhält sich das Management seit dem Ende der Streiks?


PF: Die Stimmung ist gut, da die Menschen wissen, dass wir gewonnen haben. Und kaum jemand lamentiert, dass dabei mehr als ein Wochenlohn flöten gegangen ist. Die Streikbrecher bekommen einiges auf die Hörner, denn sie hatten während des Streiks nicht nur die Mahlzeiten und die Getränke frei, sondern auch noch etliche unzulässige Überstunden angehäuft. Namentlich einer von ihnen kam auf sage und schreibe 72 h Wochenarbeitszeit!

Das Management ist natürlich sauer, dass es sich nicht durchsetzen konnte, und versucht nun, die liegengebliebene Arbeit auf unsere Kosten aufzuholen – nicht indem sie uns Überstunden anbieten, sondern indem sie uns die Schicht hindurch pausenlos ackern lassen.

Das Selbstvertrauen, das das oberste Management noch in den Lohnverhandlungen getankt hatte, erlitt letzten Monat einen Dämpfer und daher hofften sie, mit der Einschüchterung der Belegschaft wieder Oberwasser zu kriegen.

Die CWU hatte auf ihrer Konferenz im Juli mehrheitlich akzeptiert, dass die Zustellung der Post im Prinzip von einem Beschäftigten allein erledigt werden kann. Das oberste Management erhielt dadurch Auftrieb und ignorierte die Stimmung an der Gewerkschaftsbasis, als diese mit Arbeitsniederlegungen in London begann, die sich rasch auf andere Landesteile ausbreiteten. Just einen Tag nach Beginn des offiziellen Ausstands, in dem es um die Ortszulage für London ging, versuchten sie in zwei Postämtern in Südost-London die Alleinauslieferung durchzusetzen und provozierten damit eine Arbeitsniederlegung. Ein weiterer Auslöser war der Versuch, Fahrer in Southall, die normalerweise nur die Depots beliefern, dazu zu vergattern, an die Endadressaten auszuliefern, um so die Auswirkungen des Streiks abzufedern. Die widerspenstigen Fahrer wurden vom Dienst suspendiert, was weitere Arbeitsniederlegungen zur Folge hatte. Anschließend probierten sie, Leute aus Greenford nach Southall abzuziehen, die dort die Arbeit erledigen sollten. Ein Vertreter der CWU lehnte ab und wurde gleichfalls suspendiert. Aus Solidarität trat das ganze Postamt in den Ausstand.

Die CWU-Führung griff zu einer List. Wohl wissend, dass sie ansonsten die Beschlagnahmung des Gewerkschaftsvermögens riskierte, ließ sie nach außen hin verlauten, dass ihre Mitglieder wieder an die Arbeit gehen sollten. Zugleich gab sie unmissverständlich dem Management die Schuld an den Auseinandersetzungen.

Zwei Wochen nach Beginn der Aktion und eine Woche nach deren effektiver Ausweitung war das Management gezwungen, nachzugeben. Dies stellt einen wichtigen Sieg für alle Postler und die Widerstandsbewegung im Allgemeinen dar. Natürlich ist den meisten Postlern klar, dass eine gewonnene Schlacht noch nicht das Ende des Krieges bedeutet. Das Management wird weiter auf der sogenannten Modernisierung beharren, was bei der Post – wie woanders auch – zwangsläufig mit Entlassungen, Arbeitsintensivierung und Abbau öffentlicher Dienstleistungen einhergeht. Aber die Aussichten, künftige Angriffe abzuwehren, sind durch diese Aktionen beträchtlich gestiegen.

Die gewerkschaftsfeindlichen Gesetze haben die Kräfteverhältnisse deutlich zugunsten der Unternehmer verschoben, wie die Arbeiter bei Friction Dynamex in Caemarton leidvoll erfahren mussten. Nicht nur dass sie nach acht Wochen offiziell abgesegneter Streiks rausgeworfen wurden; sie erhielten noch nicht einmal Ausgleichszahlungen – trotz gewonnenen Gerichtsprozesses – , da ihr „Arbeitgeber" den Laden einfach dicht machte, um ihn unter anderem Namen wiederzueröffnen und sich somit aus allen Verbindlichkeiten rausstahl.

Gemeinsame Aktion war schon immer der einzig effektive Weg für ArbeiterInnen, sich gegen ein System zu wehren, dessen Anliegen der Profit einiger Weniger ist. Da nun mal die britischen Gesetze unter New Labour so einseitig zu unseren Ungunsten abgesteckt worden sind, müssen wir sie zwangsläufig immer mehr ignorieren, d.h. wilde Streiks führen.
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