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Seite 4 von 6 Reaktionen der Bourgeoisie und von Strömungen der ArbeiterInnenbewegung 1. Innerhalb der Kapitalistenklasse sind rasch Differenzen darüber aufgetreten, wie am besten auf den neuen Aufschwung der Frauenkämpfe zu reagieren sei, um ihren Einfluss zu schwächen und ihre radikale Stoßrichtung abzulenken. Nach anfänglichen Versuchen, die Frauenbewegung mit Spott und Hohn abzutun, setzte sich in der herrschenden Klasse die Ansicht durch, sich in Worten der Auffassung anzuschließen, die Frauen hätten zumindest in einigen Fragen Grund zur Klage. Es wurde versucht, Interesse zu zeigen, indem von der Regierung ein paar spezielle Ressorts, Ausschüsse oder Projekte eingerichtet wurden, um die Aufmerksamkeit der Frauen auf sich zu lenken, während gleichzeitig beharrlich daran gearbeitet wurde, die Führung der Frauenbewegung in die anerkannten Muster der Klassenzusammenarbeit zu integrieren. In den meisten Ländern war die herrschende Klasse gezwungen, einige Zugeständnisse zu machen, die ihr wirtschaftlich und ideologisch am unbedenklichsten erschienen, und bemühte sich dann ständig, sie wieder rückgängig zu machen. Welches auch immer die Taktik – das Ziel war in jedem Fall das gleiche: die sich entwickelnde Radikalisierung im Rahmen minimaler Reformen des kapitalistischen Systems zu halten. In vielen europäischen Ländern gab es Maßnahmen zur Erweiterung von Mutterschaftsvergünstigungen durch Ausweitung des Mutterschaftsurlaubs, Anhebung des Lohnprozentsatzes, der in dieser Zeit ausgezahlt wird, oder Garantie des Arbeitsplatzes nach unbezahltem Mutterschaftsurlaub. In anderen Ländern haben die dortigen Regierungen demonstrativ darüber debattiert, ob es nicht gerechtfertigt ist, Gesetze zur Sicherstellung gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit oder zur Liberalisierung der Ehescheidung zu verabschieden. In den Vereinigten Staaten sind beide kapitalistischen Parteien für die Verabschiedung eines Zusatzartikels zur Verfassung über die Gleichberechtigung der Frauen eingetreten, während sie in der Praxis jeglichen Versuch sabotiert haben, genügend Stimmen zur Annahme eines solchen Gesetzes zusammenzubekommen. Aber in Bezug auf soziale Programme, die eine sofortige und bedeutsame wirtschaftliche Auswirkung hätten – wie etwa die Ausweitung von Kinderkrippen und -gärten – wurden keine wesentlichen Fortschritte erzielt. Die wichtigste Errungenschaft der internationalen Frauenbewegung im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens stellt die bedeutsame Ausweitung des Zugangs zur legalen Abtreibung dar. In mehr als zwanzig Ländern wurden die Abtreibungsgesetze deutlich liberalisiert. In jedem Land, in dem die Frauen einen messbaren Fortschritt zur Anerkennung des Rechts auf Abtreibung gemacht haben, ist aber rasch klar geworden, dass dieses Recht im Kapitalismus niemals wirklich gesichert ist. Wo auch immer die Frauen den Kampf für ihr Recht auf Kontrolle über ihre eigene Fortpflanzungsfunktion aufnehmen, rotten sich sofort die reaktionärsten Verteidiger des kapitalistischen Systems zusammen, um die Anerkennung dieser grundlegenden Vorbedingung der Befreiung der Frauen zu verhindern. Das Recht, über den eigenen Körper selbst zu entscheiden, stellt eine zu große Herausforderung der ideologischen Grundpfeiler der Frauenunterdrückung dar. Es ist jedoch politisch bedeutsam, klar zu erkennen, dass rechtsextreme Organisationen wie „Laissez les vivre“, „Oui à la vie“, „Right to Life“ und „Society for the Protection of the Unborn Child“, die mit fremdenfeindlichen, klerikalen, rassistischen oder offen faschistischen Strömungen verbunden sind, ihren Nährboden in der offiziellen Regierungspolitik finden. Sie agieren als fanatische Verteidiger des Status Quo, wobei sie an die rückständigsten, bis tief in die ArbeiterInnenklasse und das Kleinbürgertum hinein reichenden Vorurteile appellieren, und leisten den Herrschenden damit einen wertvollen Dienst. Aber ohne Förderung durch entscheidende Teile der herrschenden Klasse – unter der Hand und auch manchmal ganz offen – würden sie eine weit weniger einflussreiche Rolle spielen. 2. Die Entstehung der Frauenbefreiungsbewegung stellt eine tief greifende Herausforderung an alle politischen Strömungen dar, die für sich in Anspruch nehmen, die Interessen der ArbeiterInnenklasse zu vertreten. Insbesondere die Stalinisten und die Sozialdemokraten wurden von der raschen Entwicklung einer bedeutsamen Radikalisierung überrascht, die in ihnen keine Führung sah. Die Antworten der beiden reformistischen Massenströmungen innerhalb der ArbeiterInnenklasse wichen von Land zu Land voneinander ab, je nach der zahlenmäßigen Stärke, der Verankerung in der ArbeiterInnenklasse und in den Gewerkschaftsbürokratien sowie der Nähe zur Regierungsverantwortung in ihrem eigenen kapitalistischen Staat. Aber in jedem Fall wurden und werden die Reaktionen der Stalinisten wie auch der Sozialdemokraten von zwei zuweilen miteinander im Widerstreit stehenden Zielen bestimmt: von ihrer Bindung an die Grundpfeiler der Klassenherrschaft einschließlich der Familie und von ihrem Wunsch, ihren Einfluss in der ArbeiterInnenklasse aufrechtzuerhalten oder zu stärken, damit sie in der Lage sind, die Kämpfe der ArbeiterInnenklasse innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse zu halten. Der Aufschwung der Frauenbewegung zwang die Stalinisten wie auch die Sozialdemokraten, sich der sich verändernden Lage anzupassen. Insbesondere im Jahr 1975 hagelte es Stellungnahmen, zum Teil als Reaktion auf die Initiativen der Bourgeoisie im Zusammenhang mit dem „Internationalen Jahr der Frau“. 3. Unter dem Druck von Teilen der eigenen Basis haben die sozialdemokratischen Parteien im Allgemeinen rascher als die kommunistischen Parteien auf den Aufschwung der feministischen Bewegung reagiert. Wenn sich die sozialdemokratischen Parteien auch offiziell dagegen sträubten, die Existenz der unabhängigen Frauenbewegung anzuerkennen, so arbeiteten und arbeiten doch viele einzelne weibliche Mitglieder dieser Parteien aktiv in den neu entstandenen Organisationen mit. Die Positionen der sozialdemokratischen Parteien waren auf der formalen Ebene häufig fortschrittlicher als die der stalinistischen Parteien, insbesondere was das Recht auf Abtreibung angeht. Wo immer die sozialdemokratischen Parteien die Möglichkeit hatten, ihr Image billig aufzupolieren, indem sie sich für liberalisierte Abtreibungsgesetze eingesetzt haben, haben sie das ohne Zögern getan. Kreisky in Österreich und Brandt in Westdeutschland haben anfänglich einen solchen Weg beschritten. Mit einer wachsenden Frauenbewegung in Australien konfrontiert, hat die dortige Labour Party politische Unterstützung zu gewinnen versucht, indem sie zahlreiche kleinere Projekte der Bewegung finanziell unterstützte, wie Frauenhäuser und Gesundheitszentren für Frauen. Während diese Maßnahmen die Sozialdemokraten wirtschaftlich gesehen wenig kosteten, dienten sie dazu, zeitweilig die Aufmerksamkeit der Frauen von der Unzulänglichkeit ihrer gesamten Politik (in Bezug auf Abtreibung und Kinderfürsorge z. B.) abzulenken und halfen der australischen LP, sich als „frauenfreundliche“ Regierung zu präsentieren. Sobald sie sich aber mit den ersten Anzeichen einer Reaktion seitens einiger Teile der Bourgeoisie konfrontiert sahen, haben die sozialdemokratischen Parteien schnell den Rückzug angetreten. Obwohl die britische Labour Party auf dem Papier für das Recht auf Abtreibung auf Verlangen der Frau eintrat, schwieg die Labour Party zu den reaktionären Vorschlägen im Parlament, die darauf abzielten, die Abtreibungsrechte auf den Stand von vor 1967 zurückzuschrauben. Diese neuen Vorschläge, die von einem Parlamentsmitglied der Labour Party eingebracht worden waren, würden den Zeitraum beschneiden, innerhalb dessen die Frauen eine Abtreibung vornehmen lassen dürfen, den Zugang zu Abtreibungen für Einwanderinnen begrenzen und harte Strafen für alle Verstöße gegen dieses Gesetz auferlegen. Erst im Jahr 1977, nach einer massiven Kampagne der unabhängigen Frauenbewegung – organisiert über die National Abortion Campaign (Nationale Abtreibungskampagne) – und unter dem Druck ihrer eigenen Basis hat der Kongress der Labour Party eine Resolution verabschiedet, die das Gesetz von 1967 verteidigt. Die Sozialdemokraten haben sich als besonders nützlich für die Bosse erwiesen, wenn es gilt, so genannte „Sparmaßnahmen“, also Maßnahmen zur Senkung des Lebensstandards der ArbeiterInnenklasse, durchzusetzen. Während sie lauthals beteuerten, Frauen aus der ArbeiterInnenklasse entlasten zu wollen, haben sozialdemokratische Regierungen nicht gezögert, die von der Bourgeoisie geforderten Kürzungen von Sozialleistungen vorzunehmen. Gerade vor kurzem sind in Dänemark 5 000 in Kinderhorten Beschäftige mit einem Federstrich aus der Lohnliste des Staates gestrichen worden. 4. Nachdem die stalinistische Bürokratie ihre Kontrolle über die Sowjetunion gefestigt und die Parteien der Dritten Internationale in Apologeten der konterrevolutionären Politik des Kreml verwandelt hatte, war seit den 30er Jahren die Verteidigung der Familie als des idealen Rahmens menschlicher Beziehungen die Linie der stalinistischen Parteien in der ganzen Welt. Dies nützte nicht nur den Interessen der bürokratischen Kaste in der Sowjetunion selbst, sondern entsprach auch dem Bedürfnis nach Verteidigung des kapitalistischen Status Quo in der übrigen Welt. Die offen reaktionären Theorien der französischen KP zur Familie wurden zum ersten Mal entwickelt, als in der Sowjetunion 1934das neue Familienrecht eingeführt und 1936 Abtreibungen verboten wurden. Wie demagogisch die KPen zuweilen in Bezug auf den doppelten Arbeitstag der Frauen auch sein mögen, so laufen ihre Vorschläge doch im allgemeinen nur darauf hinaus, die Verhältnisse so neu zu gestalten, dass die Frauen mehr Zeit haben, ihren häuslichen Pflichten nachzukommen. Von verbessertem Mutterschaftsurlaub bis zu geringerer Arbeitszeit und besseren Arbeitsbedingungen für Frauen wird der Kampf gewöhnlich mit der Notwendigkeit begründet, die Frauen für ihre statt von ihrer Haushaltstätigkeit durch deren Vergesellschaftung zu befreien. Die einzige sonstige Lösung, die sie manchmal vorschlagen, ist die Forderung, dass die Männer einen gerechteren Anteil an der häuslichen Arbeitslast übernehmen. Aber der Aufschwung der Frauenbewegung, die Versuche der Bourgeoisie, davon zu profitieren, die Reaktionen anderer Strömungen der ArbeiterInnenbewegung und der Druck der eigenen Basis haben die kommunistischen Parteien gezwungen, ihre Linie zu ändern. Selbst die starrsten Anhänger des Kremls, wie etwa die amerikanische Kommunistische Partei, waren schließlich genötigt, einige ihrer reaktionärsten Positionen aufzugeben, wie z. B. die Opposition gegen einen Zusatzartikel zur Verfassung über die Gleichberechtigung der Frauen. Je mehr sich die Radikalisierung vertiefte, umso geschickter mussten die Kommunistischen Parteien manövrieren, indem sie sich in die Bewegung hinein warfen und einen radikaleren Wortschwall entwickelten. Die KPen haben weibliche Mitglieder an öffentlichen Diskussionen teilnehmen lassen, bei denen sie vernichtende Urteile über die Verantwortung des Kapitalismus für ihren miserablen Status als Frauen äußerten. Aber wenn es um das Programm und um Aktionen geht, verhält es sich mit der Opposition der KPen zur Frauenbefreiung wie mit ihrer Opposition zu einem wirklichen Klassenkampf für andere Forderungen der ArbeiterInnenklasse. Sie sind bereit, jegliche Forderung links liegen zu lassen und den Kampf umzubiegen, wenn es darum geht, ein von ihnen angestrebtes Bündnis der Klassenzusammenarbeit herzustellen oder zu festigen. So hat etwa die italienische KP zwar formal eine Wende vollzogen und sich für die Liberalisierung der Abtreibungsgesetze ausgesprochen, aber ihre Parlamentsabgeordneten sind 1976 einen Block mit den Christdemokraten eingegangen und haben das Reformgesetz gekippt, weil dies ein Hindernis auf dem Weg zum „historischen Kompromiss“ gewesen wäre. Überdies gibt es oft einen Konflikt zwischen den Positionen örtlicher KP-Gliederungen – die manchmal Kämpfe für die Einrichtung von Kinderbetreuungszentren oder Abtreibungs- und Verhütungskliniken unterstützen – und den Aktivitäten der KP auf nationaler Ebene, wo sie die Sparpolitik unterstützen, bei der gerade solche Sozialprogramme gekürzt werden. Die Kluft zwischen der formellen Haltung der Kommunistischen Parteien und ihrem Verrat im Klassenkampf hat schon zu scharfen Spannungen innerhalb dieser Parteien und den von ihnen dominierten Gewerkschaften geführt. Dies insbesondere deshalb, weil das Fehlen einer internen Demokratie die Frustrationen vieler Frauen vertieft, die die Widersprüche zwischen ihrer persönlichen Hingabe an die Sache der Frauenbefreiung und der Linie ihrer Partei zu erkennen beginnen. Es gibt für sie keine Möglichkeit, die Positionen ihrer Organisation zu beeinflussen. So bildeten, als die spanische KP den klassenkollaborationistischen Moncloa-Pakt unterzeichnete, Frauen der KP in Madrid eine Oppositionsgruppe, um für interne Demokratie zu kämpfen. Als 1978 in Frankreich sich in der KP oppositionelle Gruppierungen zu formieren begannen, organisierten sich Frauen der Partei um das Magazin Elles voient rouge (Sie sehen rot). Sie suchten damit, ihre Positionen zu verteidigen und die sektiererische Politik der Partei zu bekämpfen, die es ablehnte, in Aktionseinheiten mit anderen politischen Gruppen zur Abtreibungsfrage oder anderen Themen zusammenzuarbeiten. Auch auf organisatorischer Ebene mussten sich die Stalinisten anpassen. In einer Reihe von Ländern schufen die Stalinisten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre eigenen Frauenorganisationen. Angesichts der neuen Frauenradikalisierung haben sie beständig versucht, diese Organisationen in den Augen der ArbeiterInnenklasse als die einzig wirkliche Frauenbewegung auszugeben. Die unabhängige Bewegung bedroht ihren Anspruch, die Partei zu sein, die für die Frauen aus der ArbeiterInnenklasse spricht, und ihre anfängliche Reaktion bestand darin, ihre sektiererische Haltung zu verstärken. Zum Beispiel erklärte in Spanien das von der KP kontrollierte MDM (Movimiento Democratico de la Mujer – Demokratische Frauenbewegung), sie allein sei die Frauenbewegung, und die KP rief sich zur Partei der Frauenbefreiung aus. Aber trotz der Stärke der KP war das MDM nicht in der Lage, die Radikalisierung der Frauen in den Griff zu bekommen, die im Entstehen von Frauengruppen auf allen Ebenen in ganz Spanien zum Ausdruck kam. Da sie sich unfähig zeigte, das MDM mit einem Machtwort als alleiniges Zentrum zu etablieren, war die KP gezwungen, die Existenz anderer Gruppen anzuerkennen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. 5. Zu ähnlichen Widersprüchen hat die Beteiligung an der Frauenbewegung auch in der Sozialdemokratie geführt. Zur gleichen Zeit hat aber die Fähigkeit der Stalinisten wie auch der Sozialdemokraten, sich auf einige der von der Frauenbewegung gestellten Themen einzustellen, ihre Fähigkeit, den allgemeinen Kurs der Bewegung zu beeinflussen, vergrößert. Wenn diese Parteien entscheiden, die eine oder die andere Massenmobilisierung zu unterstützen, wie sie es in letzter Zeit in einer Reihe von Ländern in der Abtreibungsfrage getan haben, haben ihre reformistischen Positionen einen um so größeren Einfluss auf eine große Zahl von Frauen. Es wäre ein Fehler, ihr politisches Gewicht zu unterschätzen. 6. Die Maoisten und zentristische Organisationen haben gegenüber der Frauenbewegung in aller Regel eine sektiererische, ökonomistische Haltung eingenommen, indem sie diese als kleinbürgerlich und im Konflikt mit ihrer Vorstellung von der ArbeiterInnenbewegung angesehen haben. Von diesen Organisationen gab es allerdings grundsätzlich zwei Arten der Reaktion. Einige von ihnen weigerten sich, in den unabhängigen Organisationen der Frauenbefreiungsbewegung mitzuwirken und an ihren Aktivitäten teilzunehmen. Viele dieser Sekten haben ihre eigenen Ersatzfrauengruppen geschaffen, die sie der lebendigen Bewegung entgegenstellen – mit dem Argument, dieser Kurs sei die einzige wirklich kommunistische Strategie. Andere maoistische und zentristische Gruppen haben sich auf eine Mitwirkung in der Frauenbewegung ausgerichtet. Aber sie haben kein Verständnis für die Beziehung zwischen dem Klassenkampf und dem Kampf für die Frauenbefreiung. Sie lehnen eine Politik der Aktionseinheit ab und traben lediglich der Frauenbewegung hinterher. Dies war ein wichtiger Faktor, der dazu beigetragen hat, dass viele dieser Gruppen Ende der 70er Jahren auseinander flogen. 7. Auch auf die Gewerkschaftsbewegung hat die Frauenradikalisierung eingewirkt, und ihre Bürokratien mussten auf den Druck von Frauen innerhalb und außerhalb der organisierten Gewerkschaftsbewegung reagieren. Wie die Stalinisten und die Sozialdemokraten versuchen die Gewerkschaftsfunktionäre selbst im günstigsten Fall die Verantwortung der Gewerkschaft für die Forderungen der Frauen auf rein ökonomische Fragen wie gleichen Lohn oder Mutterschaftsurlaub zu beschränken. Sie weigern sich, die organisierte Gewerkschaftsbewegung in den Kampf um Fragen wie die der Abtreibung einzubeziehen. Die wachsende Zahl von Frauen in den Gewerkschaften, von denen viele zunehmend in Frauenausschüssen tätig werden, erschweren jedoch eine solche Haltung seitens der Gewerkschaftsbürokratien. Dies war zum Beispiel im Oktober 1979 klar zu sehen, als der Kongress des britischen Gewerkschaftsdachverbandes TUC unter dem wachsenden Druck seiner eigenen Mitglieder zu einer nationalen Demonstration zur Verteidigung des Abtreibungsrechts aufrief. Es kamen 50 000 Männer und Frauen. Fragen wie die Kinderbetreuung und die Vergesellschaftung der Hausarbeit, Abtreibung und das Recht der Frauen, über ihren Körper selbst zu entscheiden, die Lage der Teilzeitbeschäftigten und besondere Förderungsprogramme für Frauen werden heute mit größerer Häufigkeit in der Gewerkschaftsbewegung gestellt. In einigen Fallen stellen Frauen diese Forderungen ausdrücklich im Zusammenhang mit der Notwendigkeit, die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen zu überwinden. Indem sie die Beschäftigung mit diesen Problemen erzwingen, stellen die Frauen die Versuche der Reformisten in Frage, eine Aufspaltung in ökonomische und politische Kämpfe aufrechtzuerhalten und damit das einzuengen, was immer sich an Kämpfen entwickelt. Sie helfen damit der ArbeiterInnenklasse, in breiteren gesellschaftlichen Begriffen zu denken, und ermutigen die Mitgliedschaft in den Gewerkschaften, sich ihrer elementaren Klassenorganisation zuzuwenden und sie für den Kampf um ihre Forderungen zu nutzen. Bei dem Versuch der Frauen, in den Gewerkschaften Unterstützung für ihre Forderungen zu gewinnen, müssen sie gleichzeitig die Frage der Gewerkschaftsdemokratie aufgreifen. Sie müssen für das Recht kämpfen, sich frei ausdrücken zu können, ihre eigenen gewerkschaftlichen Frauengruppen zu organisieren, in der Gewerkschaftsführung vertreten zu sein, und für die Verpflichtung der Gewerkschaft, Einrichtungen zur Verfügung zu stellen – wie etwa eine Kinderbetreuung während der Versammlungen – die es den Frauen erlauben, in den Organisationen der ArbeiterInnenklasse voll tätig zu sein. Einige Gewerkschaften haben spezielle Literatur herausgebracht, Frauenausschüsse wiederbelebt, Zusammenkünfte von Gewerkschafterinnen organisiert oder spezielle Schulungskurse für Gewerkschaftsführerinnen eingerichtet. In einer Reihe von Ländern wurden besondere, Branchen übergreifende gewerkschaftliche Frauenausschüsse von der Gewerkschaftsführung auf nationaler, regionaler oder lokaler Ebene organisiert. Anderswo wurden unter dem Druck der Basis Frauenausschüsse geschaffen. Die Frauenradikalisierung und die sich vertiefende Wirtschaftskrise haben in einigen entwickelten kapitalistischen Ländern auch zu einer Zunahme des Anteils der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen geführt. Im Großen und Ganzen hatte die Schaffung von Frauenausschüssen den Segen der Gewerkschaftsbürokratien. Sie hoffen damit, die Radikalisierung von Gewerkschaftsfrauen einzugrenzen und die Tatkraft der Frauen in eine Richtung zu lenken, die den komfortablen Status Quo auf keiner Ebene in Gefahr bringt – vom Männermonopol bei Führungsposten in den Gewerkschaften bis zum Einvernehmen zwischen der Bürokratie und den Bossen, die besonderen Bedürfnisse der Arbeiterinnen zu ignorieren. Aber diese Entwicklung widerspiegelt den riesigen Einfluss, den die Frauenbefreiungsbewegung bereits auf die organisierte ArbeiterInnenbewegung hat. Solche Frauenausschüsse in den Gewerkschaften sind heute in zunehmendem Maße sowohl Produkt der Frauenbewegung als auch Teil der Gewerkschaftsbewegung. Sie stehen auf der Schnittlinie beider Bewegungen und können, wenn sie richtig geführt werden, beiden den Weg nach vorn weisen.
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