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Buchbesprechung: Realgeschichte des Kapitalismus | Drucken |  E-Mail
Walter W.   
01.06.2006

Der Soziologe Werner Biermann und sein Kollege Arno Klönne, emeritierter Soziologieprofessor und junggebliebener Altlinker haben unter dem Titel „Kapital-Verbrechen” eine Kriminalgeschichte des Kapitalismus geschrieben, die spannender als mancher Kriminalroman ist.

In sechs Kapiteln, z.T. mit prägnanten Zusammenfassungen versehen, schildern sie die Geschichte des Kapitalismus als ein Szenario, das im wesentlichen durch alle Formen der Gewalt wie Krieg, Sklaverei, Mord und Unterdrückung geprägt ist. So fielen allein dem Sklavenhandel rund 40 Millionen Menschen zum Opfer! Ganz zu schweigen von den Opfern der Eroberung Lateinamerikas durch Columbus und seine Nachfahren. Ersterer wird durch die Autoren als ein „von Gier besessener Psychopath“ treffend charakterisiert. Die „Gier nach Gold und Silber“, der Handel mit Zucker, der Sklavenmarkt und der gewalttätige Aufstieg des Handelskapitals kennzeichnen den Weg zur industriellen Revolution. Die Entwicklung des Kapitals, wie sie Ernest Mandel (auf den die Autoren verweisen) im 4. Kapitel der „Marxistischen Wirtschaftstheorie“ so anschaulich geschildert hat, ist durch brutale Gewalt geprägt. Nicht von ungefähr steht an seiner Wiege das Wucherkapital.

Biermann/Klönne zitieren den englischen Schuhmacher Thomas Dunning aus dem 19. Jahrhundert: „Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn, 20%, es wird lebhaft; 50%, positiv waghalsig; für 100% stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300%, und es existiert kein Verbrechen, dass es nicht riskiert.“ Ein Zitat, das beinahe zeitlos auf die gesamte Geschichte des Kapitalismus anzuwenden ist. Eduardo Galleanos Klassiker „Die offenen Adern Lateinamerikas“ ist ein erschütterndes Dokument über die Praktiken des real existierenden Kapitalismus.

Das Kapitel „Öl – Treibstoff des Imperialismus“ ist von brennender Aktualität und illustriert am Beispiel Irak den Hintergrund und die Ursachen der gegenwärtigen Entwicklung, die uns noch lange beschäftigen wird. Das auf 200 Seiten reichhaltige Material regt zur Lektüre weiterführender Bücher an, die man auf der fünfzehnseitigen Literaturliste findet.
Rüstung – ein Bombengeschäft
Im letzten Kapitel „Bombige Geschäfte, gewaltige Erträge“ wird die Waffenindustrie unter die Lupe genommen. Nirgends sind die Bande zwischen Kapital und bürgerlichem Staat enger. Langfristige Aufträge, staatlich abgesichert, garantieren hohe Profite und der gnadenlose Lobbyismus der Waffenindustrie mit ihren großen Tantiemen lässt manches Politikerherz höher schlagen. Der militärisch-industrielle Komplex residiert wie ein Staat im Staate, betreibt eine parasitäre Ökonomie und diese „Händler des Todes“ (Jürgen Roth) gefährden jede demokratische Ordnung.

Für die jüngeren LeserInnen dürfte der Abschnitt über die BRD von besonderem Interesse sein. Der Aufbau der Bundeswehr durch ehemalige Generäle der Nazi-Wehrmacht, die Affären um den HS30-Panzer, den sog. Witwenmacher, das Kampfflugzeug Starfighter, der Wunsch von Franz-Josef Strauß nach einer atomaren Bewaffnung, der Waffenexport, der unter Rot-Grün anstieg und der aktuelle Bundeswehr-Einsatz im Kongo korrigieren das Bild von der Friedensarmee und ihren humanitären Einsätzen.

Die vier apokalyptischen Reiter (Kriege mit ABC-Waffen, zivile Atomkatastrophen. Hunger, ökologischer Gau) sind unterwegs (Ernest Mandel) und die Alternative Rosa Luxemburgs „Sozialismus oder Barberei“ höchstaktuell.
Werner Biermann und Arno Klönne schildern anschaulich und kompetent die geschichtliche Entwicklung. Für alle, die an die Notwendigkeit und Möglichkeit einer besseren Welt glauben, eine Pflichtlektüre.

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