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Heinrich Heine und Karl Marx | Drucken |  E-Mail
Artur   
29.04.2006

Als sich Ende 1843 Karl Marx und Heinrich Heine in Paris begegneten, war dies sicher ein Höhepunkt in beider Leben. Hier trafen sich nicht nur zwei entfernte Verwandte, sondern vor allem zwei Saint-Simonisten und Hegelianer.

Beide arbeiteten gemeinsam ab 1844 an der „Überwindung” Hegelscher Philosophie. Sie schufen dadurch in dieser Zeit in nicht geringem Ausmaß zeitweise gemeinsam eine der Grundfesten der marxistischen Philosophie.
Lange tat sich die stalinistisch geprägte Bewertung schwer, die Rolle Heines als Lehrer des damals 26jährigen Karl Marx gebührend zu würdigen. Marx partizipierte nicht nur in dem Bereich des politischen Journalismus von Heine, sondern auch von Heines Wissen und Erfahrung im Bereich der politischen Ökonomie und der Philosophie. Beide waren sich einig über einen zutiefst humanen, demokratischen Sozialismus, der allen „rohen” Kommunismus ablehnt.
Freundschaft
Wie nahe sich beide standen ist vielfältig erkennbar. Marx sorgte für einen Vorabdruck Heines „Buch der Lieder” im Vorwärts!, dessen Herausgeber Marx war. Heines in Preußen durch die Zensur verbotenes berühmtes Gedicht „Die schlesischen Weber” (Weberlied) wurde nicht nur im Vorwärts! abgedruckt, sondern auch in einer Auflage von 50 000 Stück als Flugblatt in den schlesischen Aufstandsgebieten verteilt. Der preußische Innenminister Arnim würdigte das Gedicht als „eine in aufrührerischem Ton gehaltene und mit verbrecherischen Äußerungen angefüllte Ansprache an die Armen im Volke”. Die Anregung zu diesem Gedicht stammt sicher von Marx, der den in seiner Heimat verfemten Exilanten über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden hielt.
Der Einfluss Heines in Marx’ Werk ist vielfältig. Im kommunistischen Manifest finden sich Anleihen an Heines Gedichte und Essays. Auch Marx’ Charakterisierung der Sieger über die Pariser Kommune als „Wölfe, Schweine und gemeine Hunde der alten Gesellschaft” ist ein Zitat aus Heines Gedicht „Im Oktober 1849”.
Heine gegen Marx?
Um die mittlerweile unumgängliche Anerkennung Heines als großer Schriftsteller deutscher Zunge zu bewerkstelligen, war es unabdingbar, die Gegensätze zwischen Heine und Marx herauszustellen. Die bürgerliche Medienlandschaft und ihre germanistischen Helfer entdeckten plötzlich Heine auch als Marx’ Gegner. Dazu wurde kurzerhand der „real existierend Sozialismus” stalinistischer Prägung und die zutiefst humanitären Schriften Heines gegenübergestellt. Dass es sich hierbei um eine, milde ausgedrückt, unzulässige Vereinfachung handelt, dürfte auf der Hand liegen. Wer nicht begreift, wie weit Stalin und Marx in wesentlichen Fragen der Philosophie, des Menschenbildes und der Einschätzung des „Volkes” auseinander liegen, dem seien die Schriften Trotzkis, Mandels und anderer nicht nur ins Ikearegal gestellt. Sicher besteht ein Gegensatz zwischen Heine und den Kommunisten stalinistischer Prägung, wohl aber ein eher marginaler zu Marx.
Als Revolutionär sah Marx seine Aufgabe darin, „bei den Arbeitern ein möglichst klares Bewusstsein” über ihre historischen Aufgaben in der Revolution zu erzeugen. Niederlagen waren zu analysieren, um die richtigen Konsequenzen für künftige Kämpfe zu ziehen.

Heine, dessen sozialistische Träume in den Gedanken der Frühsozialisten wurzelten, sah in seiner Zeit, der Zeit der politischen Rückschläge, immer weniger Möglichkeiten, sie zu verwirklichen. Heine stand zeitlich in seinen politischen Einsichten zwischen Marx und den utopischen Sozialisten. Dazu kam, dass gerade die gescheiterte Revolution von 1848 mit einer tiefen persönlichen Krise Heines zusammentraf. Seine schwere Erkrankung verschlimmerte sich zusehends und zwang ihn, nahezu jede Teilnahme am öffentlichen Leben aufzugeben. Heine konnte kein Kommunist marxistischer Prägung sein. Er verstarb am 17.2.1856. Aber auch aus seiner „Matratzengruft” heraus blieb er ein hellwacher kritischer Beobachter und Kommentator gesellschaftlicher Entwicklungen.

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