Revolutionär Sozialistischer Bund / IV. Internationale (RSB4)
Antifa
Betrieb & Gewerkschaft
Bildung
Frauen in Bewegung
Geschichte
Innenpolitik
Internationales
Kultur
Linke/RSB
Umwelt
Ernest Mandel:
Einführung in den Marxismus
Weitere Texte von Mandel
Cover: Einführung in den Marxismus
238 Seiten, 10,00 €
ISBN 3-929008-04-1
RSS-Feed
Du bist hier: Startseite arrow Was will der RSB? arrow Selbstverständnis
Zum organisationspolitischen Selbstverständnis des RSB / IV.Internationale | Drucken |  E-Mail
 

7. Unser Verhältnis zu den Gewerkschaften

Unter den Organisationen der ArbeiterInnenbewegung nehmen die Gewerkschaften eine Sonderstellung ein. Sie verkörpern die tagtägliche Einheitsfront der ArbeiterInnenklasse und sind für die Herausbildung von Klassenbewusstsein auf Massenebene ein unerlässliches Instrument. Die wirksame Organisierung des Kampfes gegen das Kapital, wie auch die Verteidigung der Interessen der Werktätigen nach der Revolution ist ohne Gewerkschaften schwer vorstellbar.

Deswegen verteidigen wir die Gewerkschaften nicht nur gegen Kabinett und Kapital, wir treten auch aktiv für ihre Stärkung ein und verteidigen ihren Charakter als Einheitsgewerkschaften. Aber wir verteidigen nicht die Politik der Gewerkschaftsführungen. Im Gegenteil: Ihre Integration in das bestehende System muss aufs Schärfste bekämpft werden.

Wir führen die Haltung der Gewerkschaftsführungen in der BRD auf ihre privilegierte Stellung zurück und betrachten ihr zähes Festhalten an ihrer politischen Macht und an ihren materiellen Privilegien als bürokratisches Verhalten, das es aus der ArbeiterInnenklasse zu verbannen gilt.

8. Unser Verhältnis zu anderen (linken) Organisationen

Gegenüber sämtlichen Organisationen und Bewegungen, die sich gegen dieses System oder Teilaspekte der herrschenden Gesellschaftsordnung (oder auch nur gegen einzelne reaktionäre Maßnahmen von Kabinett und Kapital) wenden und dabei fortschrittliche Ziele verfechten, pflegen wir ein grundsätzlich solidarisches Verhältnis.

Dies tun wir auch dann, wenn wir mit den aktuellen Vorschlägen dieser Kräfte nicht einverstanden sind. Die gemeinsame Aktion mit anderen Kräften machen wir je doch davon abhängig, dass man sich auf eine gemeinsame Minimalplattform einigen kann, die nicht im Gegensatz zu unseren Prinzipien steht: Förderung der Selbsttätigkeit der ArbeiterInnenklasse, freieste Entfaltung der Arbeiterdemokratie, prinzipiell antirassistisch und antipatriarchal.

Gleichzeitig verteidigen wir die Autonomie jeder sozialen Bewegung und bekämpfen ihre Instrumentalisierung durch selbsterklärte Avantgarden. Eine Manipulation von Bürgerinitiativen und sozialen Bewegungen, von Gewerkschaften wie von Frauenorganisationen, von antirassistischen wie von antifaschistischen Zusammenschlüssen durch eine Partei gleich welcher Couleur muss aufs Schärfste bekämpft werden. Solche Bewegungen haben immer ihre Berechtigung und müssen ihre Autonomie verteidigen und unterliegen keinem Führungsanspruch durch „die“ ArbeiterInnenklasse, wer immer auch vorgibt, diese zu verkörpern.

Eine besondere Bedeutung in der heutigen Situation hat nach unserem Verständnis die autonome Organisierung von MigrantInnen. Wir wünschen uns zwar eine enge Zusammenarbeit dieser Kräfte mit der ArbeiterInnenbewegung in Deutschland (und anderswo), aber die Organisierung und politische Willensbildung sowie die Aktivitäten der MigrantInnen müssen von jeglichen Einmischungsversuchen freigehalten werden. Einer eigenständigen Organisierung der MigrantInnen müssen deutsche Organisationen eine selbstlose Unterstützung gewähren, aber nur dort, wo sie gewünscht ist.

Fortschrittliche Forderungen von Massenbewegungen wollen wir grundsätzlich aufgreifen und nach Möglichkeit in einer antikapitalistischen Perspektive bündeln. Aber auch da, wo dies nicht gelingt, wo wir unsere antikapitalistischen Vorstellungen nicht verankern können, streben wir durchweg die Bildung von Aktionseinheiten an, weil wir der festen Überzeugung sind, dass nur breiteste gemeinsame Aktionen etwas bewegen können. Schließlich kann auch die politische Zersplitterung der Linken nur über die Herausbildung möglichst vieler gemeinsamer praktischer Aktivitäten überwunden werden.

Bei Aktionseinheiten stellen wir deshalb nicht die politische Einigung auf gemeinsame Analysen (oder gar gemeinsame Einschätzungen der Geschichte oder erwarteter zukünftiger Entwicklungen) in den Vordergrund. Vorrangig für uns ist die Verständigung darüber, wofür es zu kämpfen gilt.

Der Versuch einer umfassenden politischen Einigung führt unnötigerweise zu einer Einengung des Kreises der möglichen Beteiligten und bringt in aller Regel nicht voran.

Die Freiheit der eigenen weitergehenden Propaganda muss allerdings bei Aktionseinheiten grundsätzlich gewahrt bleiben, jedoch nur insofern, als damit die gemeinsam verabredeten Forderungen und Ziele nicht in Frage gestellt werden.

9. Unser Verhältnis zu anderen revolutionären Organisationen

Eine revolutionäre Massenpartei der ArbeiterInnenklasse wird auch in der BRD nur in größeren Kämpfen entstehen können. Aber sie wird in keinem Fall aus dem politischen und organisatorischen Nichts hervorgehen. Heute schon gilt es, dazu einen Beitrag zu leisten, um wenigstens ansatzweise Erfahrungen im Klassenkampf aufzuarbeiten und an der Entwicklung eines revolutionären Programms zu arbeiten. Denn dass die Bourgeoisie ständig ihre Lehren aus der Geschichte zieht und verarbeitet, darf nicht in Zweifel gezogen werden. Ganz zweifellos gibt es außer unseren (zahlenmäßig sehr bescheidenen) Kräften auch andere revolutionär sozialistische Organisationen. Nach den Erfahrungen der Linken in der BRD der vergangenen Jahre sollte ein Diskussionsprozess, der auf eine Vereinigung abzielt, eingebettet sein in eine längere gemeinsame praktische Arbeit und muss eine Reihe von Erfahrungen in Vereinigungsprozessen beachten:

  • Wir streben Vereinigungen an auf der Grundlage einer gemeinsamen Praxis im Klassenkampf und klarer programmatischer Zielbestimmungen.
  • Wir wollen einen möglichen Vereinigungsprozess mit der Entwicklung der Gemeinsamkeiten beginnen und diese ausbauen.
  • Kontroverse Fragen sollten notfalls mit einem klaren Zeitplan zurückgestellt werden, damit das Zusammenwachsen erst einmal gefördert werden kann. Dabei darf aber keine Frage ausgeklammert oder verdrängt werden.
  • Keine Kompromisse in prinzipiellen Fragen.

Zweifellos wird eine revolutionäre ArbeiterInnenpartei mit Masseneinfluss nur über einen längeren Prozess von Wachstumsphasen und Umgruppierungen entstehen. Aber eine Umgruppierung sollte in verantwortlicher Weise vorbereitet und angegangen werden, weil im Fall des Scheiterns die Enttäuschung und Demoralisierung in aller Regel mindestens zu einem teilweisen politischen Verfall der beteiligten Organisationen und Kräfte führt.

Aber selbst bei einem Zusammenschluss aller revolutionär sozialistischen Kräfte würde dies im günstigsten Fall heute nur einen Bruchteil der ArbeiterInnenklasse in der BRD repräsentieren. Auch dann noch bestünde weiterhin das strategische Ziel, die ArbeiterInnenvorhut in den Betrieben für den Sozialismus und eine sozialistische Organisierung zu gewinnen.

Der Stalinismus war nie eine Alternative zum Kapitalismus. Er hat mit Sozialismus so viel zu tun wie die Päpste mit Christus: Beide berufen sich auf befreiende Ideen, in deren Namen unsägliche Verbrechen begangen oder gerechtfertigt wurden. In den Ländern des verbalen Sozialismus war nach der Revolution eine Bürokratie an die Macht gekommen. Der Stalinismus hat durch den Massenterror die Menschen unterworfen und eingeschüchtert. Sein Kommandosystem hat die wirtschaftliche Entwicklung behindert und am Ende blockiert. So brach ein nicht mehr entwicklungsfähiges System zusammen.

Grundlage des Sozialismus ist die Möglichkeit der freien Entscheidung aller über jeden Aspekt der Gesellschaft. Das setzt als Minimum die demokratischen Rechte der fortgeschrittensten bürgerlichen Republiken voraus. Sie muss aber weit darüber hinausgehen. Denn sozialistische Demokratie bedeutet die Selbstverwaltung in Betrieb, Wohnbezirk oder Ausbildungsstätte durch Räte.

10. Zu unserem internen Funktionieren

Wir sind eine Gemeinschaft jener, die gegen die bestehende Gesellschaft rebellieren. Kritik ist unser Lebenselement. Ohne freie Diskussion können wir uns keine wirklich revolutionäre Organisation vorstellen. Die aber ist nur in der solidarischen Gemeinschaft der Gruppe möglich. Darum ist unsere Organisierung Voraussetzung für unsere freie Entfaltung als politische Menschen. Wir vereinigen uns, um auf gemeinsamer politischer Grundlage zu arbeiten. Wir geben damit nicht unsere Individualität auf. Aber wir bauen die sozialen Differenzen ab, zwischen Jungen und Alten, zwischen Frau und Mann, Eingeborenen und Zugewanderten.

Durch die Organisation wird das Mitglied gerade in der Gemeinschaft mehr politische und organisatorische Erfahrung sammeln und sich persönlich stärker entfalten als außerhalb. Das erfordert freilich offene Diskussion, Vertrauen untereinander und solidarisches Miteinander, aber auch die Möglichkeit, innerhalb der Organisation kollektiv als Plattform oder Fraktion für eine politische Position zu arbeiten. Die Grenze ist dort zu ziehen, wo es keine gemeinsame politische Arbeit und keine Handlungsfähigkeit mehr gibt.

In unserem Konzept des Organisationsaufbaus versuchen wir bewusst, gerade auch junge Menschen für die Organisation zu gewinnen und sie auf Dauer zu integrieren. Dies schließt ein Verheizen genauso aus, wie das Unterdrücken sogenannter jugendspezifischer Verhaltensweisen. Wir wollen zwar möglichst viele junge Kader für eine Arbeit in der Industrie gewinnen, um das Standbein in der ArbeiterInnenklasse auszubauen. Doch kann dies nur im Rahmen einer intensiven politischen Begleitung erfolgen und ist aufgrund der persönlichen Voraussetzungen nicht für jeden und jede möglich.

Die beste Art, junge Menschen an die Arbeit in einer revolutionären Organisation heranzuführen, ist nach unsrer Auffassung der Aufbau einer unabhängigen revolutionären Jugendorganisation, die gemäß eigener Rhythmen und Aktionsformen ihre Lebendigkeit bewahren kann, einschließlich des Rechts, „Fehler“ machen zu können und dabei nicht von „den Erwachsenen“ in der Entfaltung ihrer Politikansätze gehindert zu werden. Wenn sich der Aufbau einer solchen Organisation verwirklichen lässt, die in Sympathie zu unseren programmatischen Zielen steht, den Zielen der IV. Internationale, werden wir dies aktiv unterstützen.

Wir gehen davon aus, dass die Frauen als Geschlecht unterdrückt werden. Diese Unterdrückung ist untrennbar mit der Klassengesellschaft und den bestehenden patriarchalischen Verhältnissen verbunden. Diese Unterdrückung stellt eine erhebliche Schwächung der ArbeiterInnenklasse insgesamt dar. Ohne den Kampf für die Befreiung der Frauen kann weder die sozialistische Umwälzung erreicht noch garantiert werden, dass diese wirklich den Ausgangspunkt für eine umfassende Abschaffung von Unterdrückung und Ausbeutung sein wird.

Auch in der Arbeiterbewegung, ihren revolutionären Teil eingeschlossen, wurden und werden die Frauen unterdrückt. Wir unterstützen die weitere Entwicklung einer unabhängigen Frauenbewegung, weil der Kampf für die Frauenbefreiung nur auf diese Weise wirksam vorangetrieben werden kann.

Wir gehen davon aus, dass auch in der eigenen Organisation männliches Verhalten ein Hindernis für die Entfaltung der politischen Tätigkeit von Frauen ist. Es ist daher notwendig, eine ständige bewusste Anstrengung zu unternehmen, um diesen Zustand zu bekämpfen und zu überwinden, sowohl durch die politische Erziehung als auch durch besondere organisatorische Maßnahmen wie das Recht der Frauen, sich jederzeit auf allen Ebenen der Organisation unter sich zu treffen, sowie durch Quotierungen in den Leitungsorganen, wenn dies von den Frauen so gewünscht wird.

In einer revolutionären Partei muss die politische Kultur der angestrebten Gesellschaft erkennbar sein. Sonst wird von ihr und ihren Zielen nicht die Ausstrahlung und Faszination ausgehen, die nötig ist, damit die große Mehrheit der ArbeiterInnenklasse den Kampf für die grundlegende sozialistische Umwälzung als lohnend erkennt. ArbeiterInnendemokratie und Selbstverwaltung sind keine Ziele, die erst nach der Revolution aktuell werden. Auch wenn sie erst nach dem Sturz der Bourgeoisie wirklich voll entwickelt werden können, so müssen diese Prinzipien schon heute in den Reihen der ArbeiterInnenbewegung – und erst recht innerhalb einer revolutionär-marxistischen Organisation – zur Geltung kommen. Für uns ist die innerparteiliche Demokratie die Brücke zur Rätedemokratie.

11. International organisieren!

Die klassenlose Gesellschaft ist nur im Weltmaßstab zu erreichen. Ihre Verwirklichung ist nicht nur gekennzeichnet durch die endgültige Überwindung der Warenproduktion und das Absterben des Staates. Sie stellt auch die Existenz von Nationalstaaten grundsätzlich in Frage. Die Tatsache, dass die klassenlose Gesellschaft nur weltweit zu verwirklichen ist, darf nicht als Argument missbraucht werden, um der sozialistischen Entwicklung in einem Land willkürlich Grenzen zu setzen. Der Klassenkampf ist seinem Inhalt nach international und seiner Form nach national.

Gegen die multinationalen Konzerne, gegen die Zusammenarbeit der Kapitalisten und bürgerlichen Staaten der verschiedenen Länder, gegen das Ausspielen der ArbeiterInnen eines Landes gegen die ArbeiterInnen der anderen Länder ist die ArbeiterInnenklasse schon heute längst auf internationale Kooperation und Solidarität angewiesen.

Wir treten dafür ein, dass die Gewerkschaften die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg verstärken. Wir betrachten die internationale Solidarität als ständige Aufgabe der ganzen ArbeiterInnenbewegung. Wir streben den Aufbau einer revolutionären Partei an, die in der Realität des eigene Landes wurzelt. Gleichzeitig aber wollen wir zum Aufbau einer internationalen Organisation beitragen, die die weltweiten Erfahrungen des Klassenkampfes zu verarbeiten versucht, praktische Politik gemeinsam und „grenzüberschreitend“ organisiert und die das Ziel der Weltrevolution auf Ihre Fahnen geschrieben hat.

Eine revolutionäre Internationale muss nach den Prinzipien des freiwilligen Zusammenschlusses auf einer klaren programmatischen Grundlage funktionieren. Wir streben zwar internationale Handlungsfähigkeit an, aber sie kann nur auf gemeinsamen Überzeugungen (und Überzeugungsarbeit) basieren und nicht auf Direktiven eines internationalen Zentrums. Aufgabe einer internationalen Führung ist es, den internationalen Diskussionsprozess zu organisieren, politische Analysen zu erstellen und Anstöße für internationale politische Initiativen zu ergreifen.

Eine solche Organisation ist mit der IV. Internationale im Kern vorhanden. Auch wenn sie heute noch klein ist und nur in wenigen Ländern über Sektionen verfügt, die im Klassenkampf eine bedeutende Rolle spielen, so ist doch dieser internationale Ansatz politisch und organisatorisch bei weitem der entwickeltste, den es heute gibt. Deswegen wollen wir in Deutschland eine Sektion der IV. Internationale aufbauen.



| Nach oben
Zeitung des RSB
Aktuelle Ausgabe
Abonnieren
Was will der RSB?
RSB vor Ort
Kontakt
RSB-Publikationen
Betriebszeitungen
Inprekorr
Neuer ISP Verlag
Links
RSB Newsletter


Infos zum Newsletter
Der RSB-Newsletter informiert ca. 2 mal im Monat über aktuelle Ereignisse und interessante Artikel auf der RSB Homepage.
Klimawandel und Umweltzerstörung:
Entwicklungen und Auswege
Jetzt probelesen und bestellen
Cover: IT-Heft 34 - Klimawandel und Umweltzerstörung ...
Widerstand statt Anpassung
10 Jahre RSB
PDF |  html
Titelseite: internationale theorie Nr. 28
Jetzt kostenlos downloaden!