Revolutionär Sozialistischer Bund / IV. Internationale (RSB4)
Antifa
Betrieb & Gewerkschaft
Bildung
Frauen in Bewegung
Geschichte
Innenpolitik
Internationales
Kultur
Linke/RSB
Umwelt
Strike Bike
Eine Belegschaft wird rebellisch
Jetzt bestellen!
Cover: Strike Bike - Eine Belegschaft wird rebellisch
45-minütige Dokumentation über den Arbeitskampf bei Bike System Nordhausen
RSS-Feed
Du bist hier: Startseite arrow Was will der RSB? arrow Selbstverständnis
Zum organisationspolitischen Selbstverständnis des RSB / IV.Internationale | Drucken |  E-Mail

Die Philosophen haben die Welt
nur verschieden interpretiert;
es kommt aber darauf an, sie zu verändern.
Karl Marx, Thesen über Feuerbach

1. Es braucht eine Revolution

Wer will, dass die Welt bleibt, wie sie ist,
will nicht, dass sie bleibt.
Erich Fried
 

Wir gehen davon aus, dass für eine grundlegende Änderung der Lebensverhältnisse der Sturz der bürgerlichen Gesellschaftsordnung unumgänglich ist. Um die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen, die Unterdrückung der Frau, rassistische Politik und Verhaltensweisen, sowie alle anderen Formen gesellschaftlicher Unterdrückung abzuschaffen, steht die Überwindung des kapitalistischen Systems auf der Tagesordnung

 Image 

Dies ist nach unsrer Überzeugung keine hinreichende, aber eine notwendige Voraussetzung, um in der Menschheitsentwicklung einen Schritt nach vorn tun zu können. Ja heute mehren sich die Anzeichen, dass andernfalls in gar nicht ferner Zukunft weltumfassend die Barbarei droht. In bestimmten Regionen ist dies heute schon brutale Realität. Kriege, rassistische Flächenbrände und eine irreparable Zerstörung der menschlichen Lebensgrundlagen werden schon bald die Gesamtheit der menschlichen Existenz in Frage stellen.

Die Gesellschaft, die wir anstreben, kann nur basieren auf einer bewussten Kooperation anstelle der Marktgesetze als Grundlage des Wirtschaftslebens, auf dem Absterben der Warenproduktion, des Geldes, wirtschaftlicher Ungleichheit und des Staates. All dies sind gesellschaftliche Vorbedingungen für das Gelingen des Aufbaus einer klassenlosen Gesellschaft und sie sind ebenso unerlässlich wie ein hoher Entwicklungsstand der Produktivkräfte. Nur in der freien Assoziation der ProduzentInnen kann über die Entwicklung umfassender politischer und Verwaltungstätigkeiten bei Verwirklichung breitester Demokratie der Staat in seiner repressiven Funktion ersetzt werden und langsam absterben.

Ohne Revolution, ohne Entmachtung der Herrschenden ist keine neue Gesellschaft, keine Aufhebung der Unterdrückung möglich. Eine Revolution ist kein Putsch einer abgehobenen Minderheit von BerufsrevolutionärInnen. Sie ist nur möglich, wenn sie von einer selbstorganisierten Massenbewegung getragen wird und das Wollen der Mehrheit ausdrückt. Massenrevolutionen haben stets eine friedliche, gewaltlose Zielsetzung: Die neue Gesellschaft soll nicht die Brutalität der alten fortsetzen. Nur wenn die bisher Herrschenden die demokratische Entscheidung mit Gewalt rückgängig machen wollen, kommt es zum Kampf. Nach historischer Erfahrung ist das je doch die Regel.

Nicht auf Parlamente bauen,
auf die eig‘ne Kraft vertrauen.

Da nur die Selbsttätigkeit der Massen die Voraussetzungen für eine revolutionäre Machtergreifung und Umgestaltung der Gesellschaft bietet, lehnen wir die Orientierung auf bürgerliche Parlamente ab. Eine eigene Kandidatur für ein bürgerliches Parlament kann für uns nur der Propagierung unserer gesellschaftlichen Ziele dienen. Im Falle einer Wahl revolutionärer Abgeordneter in ein bürgerliches Parlament kann dies für uns nur der Ausnutzung dieser Tribüne für die Propagierung des Klassenkampfes dienen. Gleichzeitig müssen diese Abgeordneten eng in das Organisationsleben der Partei eingebunden sein. Der Schwerpunkt einer revolutionären Partei muss in jedem Fall außerhalb des Parlaments liegen. Die Geschichte hat in zahlreichen Beispielen gelehrt, wie groß die Sogwirkung und der Anpassungsdruck für RevolutionärInnen im Parlament ist und wie wenig ein Parlament wirklich die Verhältnisse ändern kann.

2. Dazu gilt es auch Einsichten zu vermitteln

Die Einsicht in die historische Notwendigkeit einer Revolution ist heute nicht sehr verbreitet, selbst bei denjenigen nicht, die in diesem System kaum etwas oder gar nichts zu verlieren haben. Diese Tatsache behalten wir bei unseren Aktivitäten und in unserer Argumentation im Auge. Als revolutionäre SozialistInnen gehen wir in allen Zusammenhängen auf den Kenntnis- und den Bewusstseinsstand der Angesprochenen ein und versuchen, eine. Brücke zu bauen zwischen den unmittelbaren Wünschen und Empfindungen dieser Menschen und den strategischen Zielen der Eroberung der politischen Macht durch die ArbeiterInnenklasse.

Aber wir halten mit unseren Überzeugungen nicht hinter dem Berg. Revolutionäre SozialistInnen können nur dann Glaubwürdigkeit erlangen, wenn sie sowohl gegenüber anderen Organisationen und Bewegungen wie auch gegenüber einzelnen Menschen kein instrumentelles Verhältnis an den Tag legen.

Zur Mitarbeit in unserer Organisation können wir Menschen nur dann überzeugen, wenn unsere Tagespraxis im Einklang mit unseren langfristigen Zielen steht. Deswegen lehnen wir jegliche Art von Manövern, die sich politisch moralisch nicht rechtfertigen lassen und die im Gegensatz zu unseren strategischen Vorstellungen stehen, kategorisch ab.

3. ...Die Stärksten kämpfen ihr Leben lang. Diese sind unentbehrlich. Bert Brecht

Wir gehen von einer Schichtung des Bewusstseins in der Bevölkerung aus. Revolutionäres Bewusstsein kennzeichnet in „normalen“ Zeiten des Klassenkampfes nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung. Der unversöhnliche Kampf gegen das bestehende System und der radikale Bruch mit den von der kapitalistischen Konkurrenz geprägten Verhaltensweisen erfordert ein hohes Maß an politischer Überzeugung und persönlicher Stabilität. Wer dabei isoliert ist, kann diese Einstellung in aller Regel nur sehr schwer lange durchhalten. Phasen des Abschwungs der Klassenaktivität treiben die meisten Menschen zur Aufgabe der revolutionären Ideale ihrer Jugend.

Nicht zuletzt auch deswegen ist es für eine revolutionäre Organisation lebensnotwendig, kontinuierlich immer wieder Jugendliche zu gewinnen, will sie nicht Gefahr laufen, in der Routine zu verkrusten und neue Entwicklungen nicht richtig aufnehmen zu können. Selbst nichtrevolutionäres sozialistisches Bewusstsein ist heute in der BRD wenig verbreitet. Ein aktives Engagement für eine revolutionäre Veränderung ist bei den meisten Sozialisten nicht zu erkennen. Dennoch können diese Menschen ein wichtiges Bindeglied bei dem Bemühen darstellen, breitere Schichten, vor allem im Gewerkschaftsbereich von einer ausschließlich sozialpartnerschaftlichen Einstellung zu lösen und auf eine Politik der Gegenmacht zu orientieren.

Das in der ArbeiterInnenklasse heute vorherrschende rein gewerkschaftliche Bewusstsein – zumindest was die wirkliche Vorhut der Klasse angeht – wird nur dann weiterzuentwickeln sein, wenn es zu größeren Kämpfen kommt und eine Umstrukturierung der politischen Landschaft eintritt.

Dies sind für uns Schlüsselelemente für das Entstehen des subjektiven Faktors, der bei einer Zuspitzung der objektiven Krise für das Gelingen eines revolutionären Wandels unerlässlich ist.

4. Die Organisation: Ein Mittel zur Zentralisation des Bewusstseins und zum wirksamen Handeln

In Erwägung, dass wir der Regierung
Was sie immer auch verspricht, nicht traun
Haben wir beschlossen, unter eigner Führung
uns nunmehr ein gutes Leben aufzubauen.
Bert Brecht, aus der Resolution der Kommunarden

Die Gesamtheit der objektiven und der subjektiven Realität im Klassenkampf lässt sich nur mit Hilfe einer breit verankerten Organisation erfassen, deren Mitglieder mit einer gemeinsamen Methode an die Erfassung der Wirklichkeit herangehen, ihre Ergebnisse zusammentragen und gemeinsam auswerten. Nur so kann auch das kollektive Gedächtnis der Klasse organisiert und bewahrt werden. Von daher ist es aller erste Aufgabe einer revolutionären Organisation, die Zentralisierung des Bewusstseins zu ermöglichen.

Ohne die vorwärtstreibende Rolle einer revolutionären Partei droht selbst in revolutionären Zeiten das gewaltige Potenzial einer stürmischen Massenbewegung zu verpuffen. Aber eine führende Rolle der Partei kann sich nicht über einen selbstproklamierten Führungsanspruch, oder gar mit administrativen Mitteln herstellen, sondern kann nur politisch, d.h. durch Überzeugung, demokratisch erkämpft werden.

Die Ansichten der Partei, sogar ihr Programm, sind weder unfehlbar noch unveränderlich, sondern wandeln sich aufgrund der Prüfung durch die Praxis, durch die Ereignisse. Die Partei kann also nur die Selbsttätigkeit der Massen begleiten.

Ohne Organisation bleibt nur spontanes und isoliertes Handeln möglich. Zeitweise können Bewegungen mächtigen Einfluss ausüben wie die gegen Umweltzerstörung, für den Frieden oder gegen den Golfkrieg. Aber sie sind nicht stabil. Nach einiger Zeit zerfallen sie oder werden von Parteien aufgesogen, wie im Fall der Grünen, die schon nach wenigen Jahren ihre oppositionelle Haltung aufgegeben haben und sich in diesem Regime (etwa in den Parlamenten und Ministerien) bequem eingerichtet haben.

Dennoch scheuen sich viele, in eine Organisation einzutreten, weil sie fürchten, ihre persönliche Freiheit aufzugeben. Statt dessen ziehen sie die Arbeit in Basisgruppen oder „organisierten Zusammenhängen“ vor. Wer in diese eintritt, ist zwar ungebunden, faktisch aber auch unorganisiert, da es keine dauerhafte politische Gemeinsamkeit gibt und diese Strukturen sich früher oder später auflösen. Sie sind in Wahrheit nicht einmal demokratischer, weil die Entscheidungen meist von einzelnen Aktiven oder Cliquen getroffen werden.

5. Verankert in der ArbeiterInnenklasse

Die ArbeiterInnenklasse hat die Natur erobert;
jetzt muss sie die Menschen erobern.
Zum Gelingen dieses Unternehmens
mangelt es ihr nicht an Kraft,
wohl aber an der Organisation
ihrer gemeinsamen Kraft...
Karl Marx, Brief an das Arbeiterparlament (1854)

Für uns nimmt die Verankerung in der ArbeiterInnenklasse eine zentrale Stellung ein. Nach der umfassenden Definition (nach Engels diejenigen, die unter dem ökonomischen Zwang stehen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen) macht die ArbeiterInnenklasse heute die Mehrheit der Bevölkerung aus. Ca. 85% der erwerbstätigen Bevölkerung der BRD sind gezwungen, für die Sicherung ihres Lebensunterhalts ihre Arbeitskraft zu verkaufen.

Aber auch unabhängig von der zahlenmäßigen Dominanz nimmt die ArbeiterInnenklasse für den Kampf um eine andere Gesellschaft eine herausgehobene Stellung ein, weil erst das revolutionäre Potenzial der ArbeiterInnenklasse die Durchführung einer Revolution und den Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung denkbar macht. Denn Dreh- und Angelpunkt des gesamten kapitalistischen Systems und der bürgerlichen (imperialistischen) Ordnung ist die Warenproduktion. Ohne sie gibt es keine Profite, keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen; ohne sie können auch die gegebenen Besitzverhältnisse nicht aufrecht erhalten werden.

Nur die ArbeiterInnenklasse kann in den Verwertungsprozess des Kapitals wirksam und dauerhaft eingreifen. Nur sie besitzt auch die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten, um bei einem Sturz dieser Gesellschaftsordnung materielle Produktion und Dienstleistungen auf einer neuen Grundlage (wieder) in Gang zu setzen.

Die Verankerung in der ArbeiterInnenklasse kann auch nicht aufgeschoben werden. Weder werden die Zeiten günstiger, noch kann mit einer ausschließlichen Verankerung in nicht proletarischen Bereichen wirksam und auf Dauer den ideologischen Drücken anderer Milieus widerstanden werden. Wer sich als Organisation historisch auf die ArbeiterInnenklasse bezieht, muss hier und heute diese Verbindung herstellen, sonst hat mensch nicht einmal das Instrument zur Erfassung der subjektiven Wirklichkeit in der ArbeiterInnenklasse, geschweige denn die Mittel, um den Klassenkampf wirksam beeinflussen zu können.

Dies bedeutet nicht, dass jedes Individuum einer revolutionären Organisation, die sich auf die ArbeiterInnenklasse bezieht, „in den Betrieb“ gehen muss. Eine revolutionäre Organisation braucht z.B. auch Intellektuelle, die ihren Beitrag leisten können. Aber der Schwerpunkt der langfristigen Arbeit muss ganz klar auf die ArbeiterInnenklasse ausgerichtet sein.

6. Wie wir das Verhältnis Partei – Klasse sehen

Da es keinen automatischen Zusammenbruch des Kapitalismus geben kann und da erst recht die Etablierung einer fortschrittlichen Alternative alles andere als ein Selbstläufer ist, muss sich die ArbeiterInnenklasse zur Durchsetzung ihrer historischen Ziele ein organisatorisches Instrument schaffen, das diesen Zielen gewachsen ist. Zu der revolutionären Organisierung der ArbeiterInnenklasse wollen wir einen Beitrag leisten, aber an keiner Stelle wollen wir die ArbeiterInnenklasse ersetzen, oder „stellvertretend“ Politik machen. In keiner Phase des Klassenkampfes, in keiner Situation des revolutionären Prozesses darf sich eine noch so sehr von ihrer Sache überzeugte Organisation stellvertretend für die Klasse, auf die sie sich bezieht, zum Vollzugsorgan angeblich revolutionärer Schritte machen.

Wir lehnen jede Vorstellung eines manipulativen Verhältnisses zwischen Partei(en) und ArbeiterInnenklasse ab. Das Verhältnis Partei - Klasse muss grundsätzlich das vollständiger Unabhängigkeit sein. Die Partei darf nicht im Namen der Klasse handeln. Und umgekehrt unterliegt die Partei an keiner Stelle einem Zwang, sich momentaner Bewusstseinslagen oder Stimmungen in der ArbeiterInnenklasse anzupassen. Für uns zeichnen sich revolutionäre Organisationen dadurch aus, dass sie der ArbeiterInnenklasse dienen unter vollständiger Wahrung der eigenen Autonomie.



| Nach oben
Zeitung des RSB
Aktuelle Ausgabe
Abonnieren
Was will der RSB?
RSB vor Ort
Kontakt
RSB-Publikationen
Betriebszeitungen
Inprekorr
Neuer ISP Verlag
Links
RSB Newsletter


Infos zum Newsletter
Der RSB-Newsletter informiert ca. 2 mal im Monat über aktuelle Ereignisse und interessante Artikel auf der RSB Homepage.
Klimawandel und Umweltzerstörung:
Entwicklungen und Auswege
Jetzt probelesen und bestellen
Cover: IT-Heft 34 - Klimawandel und Umweltzerstörung ...
Klimawandel und Umweltzerstörung:
Zwangsläufige Folge des Kapitalismus
Jetzt probelesen und bestellen
Cover: IT-Heft 33 - Klimawandel und Umweltzerstörung ...