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Ernest Mandel:
Einführung in den Marxismus
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238 Seiten, 10,00 €
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Sport im Kapitalismus – und Sport wie wir ihn wollen | Drucken |  E-Mail
Walter Wiese   
13.02.2006
 



Wie sehen Sie unter dem Aspekt Fairness den Nichtangriffspakt von Gijon?
R: Dieses Spielverhalten war eine Offenbarung. Und zwar nicht an schönem Fußball, sondern an Missachtung des Fairplay und ungeschriebener Regeln, die über diese Sportart hinausgehen. Sie offenbarte auch die für bürgerliche Gesellschaften üblichen Hierarchien im Fußball-Weltverband und die diese ausdrückende Ungleichheit der Mitglieder. Der algerische Verband kam gegen die der betroffenen Verbände und deren Unterstützer nicht durch. Hier wurde letztlich die degenerierte Vorstellung von Sport in der heutigen Gesellschaft deutlich.

Sollte dann der Sport oder, genauer, diese betroffene Sportart abgeschafft werden?
R: Nein, auf keinen Fall! Sie würden Millionen von Fußballern völlig zu Unrecht wegen des Fehlverhaltens zweier Verbände strafen. Abgesehen davon, dass ein Verbot bei der enormen sozialen Bedeutung von Fußball nicht durchsetzbar wäre. Die Fußball spielenden Kinder und Erwachsenen würden den Abpfiff einfach übergehen!

Die Einstellung zum Sport und damit die zum Mitsportler muss sich ändern. Doch auch hier gilt Bert Brecht: ‚Wir wären gut anstatt so roh, doch die Verhältnisse sind nicht so!’ Das heißt, erst wenn man den Kopf frei hat von den Alltagssorgen sind die Verhältnisse so, dass Solidarität, Achtung vor dem Mitspieler, d. h. letztlich vor dem Mitmenschen selbstverständlich sind.

Diese Situation wird erst mit dem Aufbau einer Gesellschaft entstehen, die genau auch diese im Auge hat. Eine solche Gesellschaft ist eine freie, d.h. eine durch und durch soziale, sprich sozialistische. Man kann und muss darauf zuarbeiten, ansonsten verfallen wir tiefer in die Barbarei. Deren heutiger 'Sportteil' macht deutlich, in welcher Gesamtsituation durch das Hintenanstellen der sozialen Orientierungspunkte wir uns heute befinden.

Das Wollen einer Veränderung allein ist zwar löblich, aber nur die Voraussetzung. Das entsprechende Sein, sprich: die materielle Basis schafft erst, gewissermaßen durchgehend, die Situation der permanenten Solidarität. Unsere heutige Gesellschaft kann das nicht, auch wenn bereits Keime der neuen erkennbar sind, auch im Bereich des Sports.

Welche Rolle spielt die Gesundheit im Sport?
R: Dass diese Frage gestellt werden muss, zeigt, dass der gesundheitliche Aspekt im Sport zumindest in vielen Punkten in Frage gestellt ist.

Das geht auf die Realität des Dopings zurück. Wir treffen immer häufiger auf junge Menschen, die über Leistungssport ihrer Gesundheit schaden: z. B. können Spieler/innen im Fußball ihre Verletzungen nicht völlig auskurieren; sie werden 'zurecht gespritzt', dass sie am nächsten Spieltag wieder antreten können. Diese Tatsachen haben dabei zur Konsequenz geführt, dass reiche Vereine (im bürgerlichen Jargon: erfolgreiche) sich 'Ersatzspieler' anschaffen, um so verletzungsbedingte Ausfälle  kompensieren zu können. Vereine mit weniger Geld können das nicht. Chancengleichheit?

Für mich persönlich ist der Sport hinsichtlich Gesundheit ein 'Muss', denn ich benötige ihn als körperliche Erholung und Regeneration für meinem Berufsalltag.

Welche Rolle spielt der Sport ‚in besseren Verhältnissen’?
R: Sport wird weiterhin die sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Aspekte behalten. Wenn er in einer freien Gesellschaft betrieben wird, wird sein Charakter sich in Anlehnung an die gesellschaftlichen Verhältnisse wandeln. Ich vermute, dass in Folge dessen vieles, was im Sport heute gesucht wird, wie z. B. kollektives selbstbestimmtes Handeln und gesellschaftliche Anerkennung, sich dann aus dem Alltag ergibt und dass dafür der Sport nicht mehr oder weniger gebraucht wird.

Der Einzelne wird selbst entscheiden. Als Teil einer Gesellschaft und zusammen mit anderen Sportinteressierten wird er Unterstützung beanspruchen und, bei Relevanz, auch bekommen: Sporthallen, wissenschaftlich fundierte Beratung zu Gesundheit und Sport etc.; da auch dann die Menschen an internationalen Sportkontakten interessiert sein werden, sind solche zu anderen Sportlern für Sportbegegnungen zu organisieren und durchzuführen. Mir scheint, dass der von den Faschisten zerschlagene, selbständig organisierte Arbeitersport Anknüpfungspunkte bietet.

Und die Beteiligung von Frauen? Wird sie dann steigen?
R: Ich denke ja, allerdings nur hinsichtlich der Möglichkeit, weil die blockierenden Voraussetzungen fehlen oder zumindest sukzessive abgeschafft werden. Die letzte Entscheidung hat jede Frau natürlich selbst zu treffen. Vielleicht gibt es dann auch 'echten Frauensport' im Sinne von: von Frauen erdachter Sport.

Ist Hochleistungssport heutiger Provenienz dann vorbei?
R: Mit Sicherheit! Als Beruf wird es ihn nicht geben d. h. als das Anbieten einer Ware, da die Warengesellschaft nicht mehr existiert.

Überhaupt gilt: Der Sport in seiner spezifischen Art ist Ausdruck der Gesellschaft, in der er betrieben wird. Mit Veränderung der Gesellschaft in eine der Freien wird er als Teil einer – sozialistischen – Kultur zur individuellen Weiterentwicklung des Einzelnen in der Gesellschaft beitragen.

In diese Richtung müssen wir uns bewegen, nicht nur aus Gründen des Sports.



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