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Sport im Kapitalismus – und Sport wie wir ihn wollen | Drucken |  E-Mail
Walter Wiese   
13.02.2006

Welchen Sport?
Interview mit Rainer Essbe, Hobbysportler


Wie fühlen Sie sich nach dem Lauf? Ihre Zeit ist recht gut und Sie haben gewonnen.
R: Gut; trotz einer gewissen körperlichen Quälerei macht mir das Laufen Spaß. (lacht) Auch wenn es für Außenstehende unsinnig erscheinen mag, einmal eine Runde zu laufen und sich dabei ‚kaputt’ zu machen. Wissen Sie, die Zeit interessiert mich eigentlich nur als Ausdruck körperlicher Fitness. Das Gewinnen ist wirklich Nebensache.

So ohne Ehrgeiz?
R: So ganz wohl nicht; aber der richtet sich nicht gegen meine Mitläufer. Sport treibe ich aus gesundheitlichen und sozialen Gründen, ansonsten um seiner Selbst willen. Natürlich werden über Sport, egal ob aktiv oder passiv betrieben, auch Dinge kompensiert, die im Alltagsleben fehlen, z. B. Anerkennung von Dritten, in Gruppen Gleichgesinnter soziale Kontakte pflegen etc.

Sport ohne Leistungsdruck? Wie soll der aussehen?
R: Das ist eine Frage des Begriffs. Gewiss gehört zum Sport, der auch als Wettkampf zu verstehen ist, ein Partner, sei es eine Mannschaft oder ein einzelner Sportler, gegen den es zu gewinnen gilt. Wichtig ist jedoch die Richtung des Druckes: Richtet er sich gegen mich oder den 'Gegner'? (Übrigens: Kein schöner Ausdruck!). Es ist ein Unterschied, ob zwei 'gegen' oder 'mit' einander spielen.

Außerdem ist es doch so: Ich finde über den Sport soziale Kontakte. Diese Leute sind genau wie ich Liebhaber des Fußballs, der Reiterei oder der Leichtathletik. Wie kann man denn da gegeneinander spielen?

Fairplay?
R: Man kann durchaus diesen alten Begriff verwenden. Aber nicht so, wie es z. B. beim Fußball häufig geschieht: Vor dem Spiel noch 'Fairplay' propagieren und während des Spiels die Blutgrätsche praktizieren. Auch die Verwendung von Dopingmittel hat, unter diesem Aspekt, hier nichts zu suchen. Von den gesundheitlichen Aspekten ganz zu schweigen. Doping hat mit Achtung vor dem Partner nichts zu tun, eher mit Verachtung: Das Streben nach Erfolg mit allen Mitteln.

Diese Entwicklung ist in der Tat festzustellen. Wie erklären Sie sich das? Ist das ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Situation?
R: Grundsätzlich sehe ich das auch so. Mit scheint die Zweckorientierung des Sports hin zum Beruf in der schon erwähnten Ellbogengesellschaft der entscheidende Punkt zu sein, der auch die unteren Leistungsebenen beeinflusst. Beruf ist Brot, oder, traditioneller: Arbeit ist Brot. Wenn in dieser Gesellschaft über Erwerbsarbeit kein materielles Einkommen erzielt wird, fällt man in die Not. Jemand mit entsprechendem Talent arbeitet als Sportler.

Geändert werden kann das nur in einer solidarischen Gesellschaft, weil sie dieses Problem erkannt und entsprechend gestaltet hat. Konzepte dazu gibt es bereits, wie Sie wissen, wissenschaftlich fundiert seit dem 19. Jahrhundert.

Zurück zum Sport: Wie Sie wissen, gibt es seit Längerem im Fußball die gelbe und rote Karte. Die gelbe wird Spielern gezeigt, die ein besonders grobes Foul begangen haben, das aber nicht automatisch zum Spielausschluss führt. Erst wenn eine rote gezeigt wird, ist es so weit. Aber dieses Kartenspiel erfolgt nur in besonders schwerwiegenden Fällen: 'Leichtere' Fouls werden nur spielerisch geahndet. Das bedeutet, dass Unfairness relativiert und damit als sportliches Handeln anerkannt und zu bis einem gewissen Grad zulässig ist. Das ist im Leistungssport gang und gebe; Analoges gibt es auch in anderen Sportarten. Ich halte das für sehr bedenklich.



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