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Grundrisse einer alternativen Gesundheitspolitik | Drucken |  E-Mail
Thadeus Pato   
13.02.2006
 

Dem Arzt verzeiht, denn doch einmal
Lebt er mit seinen Kindern
Die Krankheit ist sein Kapital
Wer wollte das vermindern.
J.W. Goethe

Fünfzehn
Das grundlegende Prinzip, von dem der (dann erheblich kleinere) Bereich der forschenden und behandelnden Medizin bestimmt werden muss, wird in den Sonntagsreden der heutigen Gesundheitspolitiker von Ex-Gesundheitsminister Seehofer bis zum Ärztekammerpräsidenten Hoppe immer wieder beschworen: Jede/r muss den gleichen und freien Zugang zu allen notwendigen Gesundheitsleistungen erhalten. Dass die Realität anders aussieht, ist ebenso bekannt.

Wie wäre es, den Satz einmal umzudrehen? Gesundheitsleistungen, die nicht für jede/n potentiell erreichbar sind, sind grundsätzlich abzulehnen oder zumindest hintanzustellen.

Dementsprechend wäre auch mit der Forschung zu verfahren. Die heute beschworene „Freiheit der Wissenschaft“ ist eine Fiktion, mit der Auftragsforschung zugunsten entweder direkt des eigenen Geldbeutels oder von Drittmitteleinwerbung aus der Industrie gerechtfertigt wird. Forschung und Lehre in einem zukünftigen Medizinsystem sollten ausgerichtet werden nach den Ergebnissen öffentlicher Debatten über die grundlegenden Gesundheits- und Krankheitsprobleme der Gesellschaft. Allein mit diesem Verfahren würden sich Diskussionen über bestimmte Auswüchse der Ersatzteilmedizin von selbst erledigen. Gleichzeitig könnten auf diesem Wege die Forschungsinstitutionen endlich auch in Bereichen arbeiten, für die sich die Industrie mangels Profitaussichten bis heute weigert, Gelder zur Verfügung zu stellen.

Selbstverständlich würde es auch keine Patentrechte mehr geben:

Forschungsergebnisse und –zwischenergebnisse würden regelmäßig veröffentlicht, Wettstreit zwischen verschiedenen Institutionen fände nicht mehr hinter der Mauer von Betriebsgeheimnissen statt und periodisch sich wiederholende Skandale wie der jüngste in Korea, wo die international hochgejubelten Durchbrüche eines Genforschers sich als pure Erfindung erwiesen, wären ebenso damit zu verhindern wie die derzeit regelhaft vorkommenden Wettläufe um das gleiche Ergebnis, wie es beispielsweise bei der Entzifferung des menschlichen Genoms der Fall war.  Die unglaubliche Ressourcenverschwendung, die bei solchen Gelegenheiten stattfindet, könnte mit der Abschaffung des Patentrechtes und der Verpflichtung zu völliger Transparenz beendet werden.

Forschung und Entwicklung müssen also als komplett öffentliche und öffentlich kontrollierte Veranstaltung stattfinden. Und sie müssen darauf ausgelegt sein, dass ihre Ergebnisse dazu geeignet sind, grundsätzlich allen, die ihrer bedürfen, zugänglich gemacht zu werden. Das betrifft beispielsweise Bereiche wie die Organtransplantation, wo von vorne herein klar ist, dass die Anwendung dieser Techniken heutzutage eine Selektion voraussetzt, also den größten Teil der potentiellen Empfänger von ihren Möglichkeiten ausschließt und damit der Willkür Tür und Tor öffnet.

Sechzehn
Fassen wir zusammen: Was wir in einem zukünftigen System der Absicherung gegen Krankheitsrisiken und zur Erhaltung von Gesundheit zuvörderst brauchen, ist Folgendes:

Ein neuer Begriff von Gesundheit, der mehr auf die individuelle Befindlichkeit abstellt als auf schematisch gesetzte Normierungen, der die Deutungsmacht nicht mehr einer Kaste von Wissenden überlässt und der Krankheit nicht generell als Abweichung von einer technisch ermittelten und dann gesellschaftlich propagierten Idealnorm definiert – und der nicht zuletzt die Unterscheidung zwischen gesund und krank tendenziell aufhebt im Sinne der Erkenntnis, dass beides unterschiedliche Erscheinungsformen einer wesenhaft gleichen Realität sind.

Eine völlig andere Schwerpunktsetzung beim Ressourceneinsatz in Forschung und Anwendung, weg von der Beschäftigung mit Krankheit, hin zur Beschäftigung mit den Möglichkeiten von Gesundheitsvorsorge und -förderung.

Gesundheitspolitik nicht als gesonderter Politikbereich, sondern als Konstante in allen Teilbereichen, um Gesundheitspolitik vom Reparaturbetrieb zum Motor für eine gesundheitsförderliche materielle und soziale Umwelt zu machen.

Eine gesellschaftliche, basisdemokratische Kontrolle von Forschung und Anwendung einschließlich kompletter Entprivatisierung des gesamten medizinisch-industriellen Komplexes.


Nachrede
Der größte Irrtum, den man begehen kann, ist, zu meinen, dass eine derartig weitgehende Umwälzung auf dem Wege einer administrativen Änderung stattfinden könnte oder auch nur durch eine solche quasi automatisch ausgelöst würde – das wäre zutiefst undialektisch. Würde man heute den gesamten Medizinbetrieb verstaatlichen, so würde sich am Umgang der Menschen mit Gesundheit und Krankheit erst einmal wenig ändern. Der notwendige Bewusstseinswandel, der die obigen Überlegungen erst wirkmächtig werden lassen kann, wird ein lang andauernder Prozess sein. Aber es gilt, diesen Prozess anzustoßen, zu befördern und gleichzeitig bei sich selbst damit zu beginnen.



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