Revolutionär Sozialistischer Bund / IV. Internationale (RSB4)
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Vor 70 Jahren: Revolutionäre Jugendkonferenz in Laren - Vier Revolutionäre den Nazis ausgeliefert | Drucken |  E-Mail
B.B.   
01.03.2004
Am 27. Februar 1934 wurden die vier jungen Revolutionäre Kurt Liebermann, Hans Goldstein, Franz Bobzien und Heinz Hoose von holländischen Behörden bei Emmerich an das Hitlerregime ausgeliefert. Was war geschehen?

Die Vier hatten mit vier anderen Delegierten des Sozialistischen Jugendverbandes (SJV) der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) aus Deutschland am 24. Februar 1934 an einer internationalen revolutionären Jugendkonferenz in Laren teilgenommen. Sie war auf Initiative des Sozialistischen Jugendverbandes der holländischen Unabhängigen Arbeiterpartei (OSP) zustande gekommen. Die etwa 40 Teilnehmenden vertraten u. a. die Jugendverbände RJV der Revolutionär Sozialistischen Partei (RSP) von Henk Sneevliet, den AJV der Norwegischen Arbeiterpartei (NAP) und die Gruppe Mot Dag, die Jugend der Partei der Proletarischen Einheit (PUP) aus Frankreich, der Independent Labour Party aus Britannien und der Internationalen Kommunistischen Liga (IKL) – den TrotzkistInnen.

Nachdem am 24. Februar um 18 Uhr Jan Moolenaar vom holländischen SJV die Konferenz eröffnet hatte und die Mandate geprüft worden waren, umstellte um 21.30 Uhr die holländische Polizei die Jugendherberge De Toorts. Alle TeilnehmerInnen wurden verhaftet. Kurt Liebermann, Hans Goldstein, Franz Bobzien und Heinz Hoose wurden im Gefängnis von Laren festgehalten, die anderen ins Gefängnis nach Amsterdam transportiert. Drei Tage später wurden die Vier auf Initiative des katholischen Bürgermeisters von Laren, Junker van Nispen tot Sevenaer1 , von den holländischen Behörden an Deutschland ausgeliefert. Dabei waren Liebermann aus der Tschechoslowakei und Bobzien aus Dänemark, wo sie für die Grenzstellenarbeit der SAP zuständig waren, nach Holland eingereist. Mehr Glück hatten andere deutsche Teilnehmer wie Willy Brandt (damals SAP) und die Trotzkisten Heinz Epe (Walter Held) und Fritz Besser, die in Amsterdam lebten und beide zusammen mit Al Glotzer die Jugendorganisationen der IKL vertraten. Sie wurden, wie ein Dutzend anderer revolutionärer Jugendlicher von der holländischen Polizei illegal über die grüne Grenze (!) nach Belgien abgeschoben, wo die Jugendkonferenz in Brüssel zu Ende geführt wurde.
Die Konferenz der Vier
Dass die revolutionäre Jugendkonferenz so unterschiedlicher Organisationen überhaupt stattfand, kann nur vor dem Hintergrund einer internationalen Radikalisierung der ArbeiterInnenbewegung ab 1934 als Reaktion auf die kampflose Machtübergabe an Hitler verstanden werden. Vorboten waren die Linksentwicklung der deutschen SAP und der holländischen OSP, beides Abspaltungen der Sozialdemokratie.

Die SAP war 1931 in der Zeit einer vorrevolutionären Krise aus der Klassenkampfgruppe und der Jugend der SPD entstanden. Sie zählte Anfang 1933 rd. 17.500 Mitglieder. Zu ihnen waren rd. 800 Mitglieder der rechtskommunistischen KPO gestoßen, die bald darauf die Parteiführung der SAP übernahmen, was Trotzki u. a. zu seiner Taktik des "Entrismus" inspirierte.

Im Exil radikalisierte sich die SAP zunächst weiter und im August 1933 kam es zur Konferenz der Vier: Die aus der Sozialdemokratie stammenden SAP und OSP, die holländische RSP, die sich auf die anarcho-syndikalistische Gewerkschaft NAS stützte und die linkskommunistische IKL setzten sich gemeinsam für die Gründung einer "neuen (Vierten) Internationale" ein. Es war also ursprünglich von Trotzki und seiner Anhängerschaft keineswegs geplant, dass die IV. Internationale rein "trotzkistisch" werden sollte. So gehörte die Theorie der "permanenten Revolution" nicht zur programmatischen Grundlage der "Erklärung der Vier". Die RSP erfüllte nicht einmal die grundlegenden Kriterien der Internationalen Linken Opposition (Vorläuferin der IKL), die eine Arbeit in den reformistischen Gewerkschaften forderte und die Gründung bzw. Aufrechterhaltung eigener "roter" Gewerkschaften wie der NAS strikt ablehnte.

Als Folge der Zusammenarbeit vereinigten sich OSP und RSP in Holland, schlug Trotzki der SAP die Vereinigung mit der Linken Opposition in Deutschland (IKD) vor – die nicht erfolgte – und fand die revolutionäre Jugendkonferenz in Laren stand. Auch in der Illegalität in Nazideutschland tat sich einiges: An Rhein und Ruhr gingen Teile der SAP, wie z.B. der ausgelieferte Heinz Hoose, zum Trotzkismus über.
Ein schwerer Weg
Die SAP ließ ihre revolutionäre Vergangenheit schnell hinter sich. Nur zwei Jahre nach den Ereignissen in Laren unterzeichneten ihre VertreterInnen mit KPD, SPD und linksbürgerlichen SchriftstellerInnen den Aufruf für eine deutsche Volksfront. Nach dem 2. Weltkrieg löste sich die SAP auf. Die meisten Mitglieder gingen zur SPD zurück, andere zur KPD. Von den vier an Nazideutschland Ausgelieferten kam Franz Bobzien 1941 im KZ Sachsenhausen ums Leben. Hans Goldstein konnte später noch nach Palästina auswandern und überlebte wie auch Heinz Hoose und Kurt Liebermann. Und noch heute gibt es in Laren eine Burgemeester-van-Nispen-van-Sevenaerstraat.

1 Vgl. De Baanbreker, Orgaan v. d. Rev. Soc. Partij, 3. Maart 1934.

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