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Arbeitsverhältnisse in Weltmarktfabriken: “Wenn ihr nicht billiger arbeitet...” | Drucken |  E-Mail
Larissa   
15.09.2004

“Wenn ihr nicht für weniger Geld arbeitet, dann verlagern wir die Produktion in ein Land oder eine Region, in der es billigere Arbeitskräfte gibt.”

... so werden Beschäftigte nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt erpresst, sogar in den Weltmarktfabriken, in denen schon jetzt zugunsten von UnternehmerInnen ein Maximum an Flexibilität und Deregulierung herrscht und ein Minimum an Löhnen gezahlt wird.

Maquiladoras

Diese Produktionsstätten, die auch als Maquiladoras bekannt sind, sind in den armen Gegenden der Welt angesiedelt, wo es sich die Menschen normalerweise nicht aussuchen können, wo sie arbeiten. Sie unterliegen nationalen und internationalen Bestimmungen, die den Konzernen die höchstmögliche Ausbeutung der Arbeitskraft und ein Minimum an Gegenleistung für den jeweiligen Ort der Produktion, also den “Standort” ermöglichen: In der Regel müssen sie sich nicht an internationale Abkommen oder örtliche Gesetze halten, v.a. was die Arbeitsbedingungen, z.B. in Bezug auf Sicherheit, Gesundheit, Umwelt und gewerkschaftliche Organisierung betrifft. Sie sind in Ländern angesiedelt, in denen es nur sehr beschränkte oder sehr allgemeine Bestimmungen zu den Arbeitsbedingungen gibt (wie in Indonesien oder Guatemala) oder in Ländern, die zwar über einige Bestimmungen verfügen, die jedoch nicht eingehalten werden (wie in Mexiko oder China).
Die Beschäftigten werden in der Regel nicht über Gefahren und deren Verhütung oder gefährliche Stoffe wie Chemikalien und den Umgang damit aufgeklärt und es wird auch keine Schutzkleidung wie Staubmasken oder Arbeitsschuhe zur Verfügung gestellt. Das Alter der Beschäftigten soll 28 Jahre nicht übersteigen, da “ältere” ArbeitnehmerInnen angeblich zu langsam seien und die Belastungen einer 6-Tage-Woche nicht mehr aushielten.

Für den Export

Maquiladoras sind von fast jeder Art der Besteuerung befreit und dürfen alles, was sie für die Produktion benötigen, mitbringen, also Maschinen, Technologien, spezialisierte Arbeitskräfte, ManagerInnen und auch das notwendige Kapital. Sie produzieren für den Export, also für den Weltmarkt oder für den Markt des Stammlandes des Mutterkonzerns, wie es bei ca. 50% der Maquiladoras in Mexiko der Fall ist, die die Produkte sofort nach ihrer Fertigstellung in die USA exportieren. Im Rahmen von Freihandelsverträgen dürfen sie jedoch auch unbeschränkt auf dem Markt des Landes des jeweiligen Standortes verkaufen, wo sie – da sie durch die oben erwähnten Bestimmungen billiger produzieren können – die einheimische Industrie verdrängen und zerstören.
Die oftmals einzige Beziehung der Maquiladoras zum Land des jeweiligen Standortes stellen die ungelernten Arbeitskräfte dar. Ihre Bezahlung wird jedoch nicht von den örtlichen Lebenshaltungskosten bestimmt, sondern vom Weltmarkt. Das wird dann deutlich, wenn ArbeiterInnen in Mexiko dazu gezwungen werden, schneller bzw. für weniger Lohn zu arbeiten, weil sonst die Firma ins noch billigere China weiter zieht, wo eine Arbeitskraft nur 35 Cent pro Stunde kostet. Dabei deckt schon jetzt der Stundenlohn von ca. 2,50 €, den mexikanische Maquiladora-Beschäftigte erhalten, nur ca. 19% des Existenzbedarfs einer Familie.

Eingeschränkte Rechte

In einer Maquiladora fällt es den Beschäftigten schwer, sich für ihre Rechte einzusetzen und an einer Verbesserung ihrer Situation zu arbeiten, da die Gewerkschaften, wenn es sie – wie in China, Mexiko oder Vietnam – überhaupt gibt, nicht unabhängig sind und auch nicht der Kontrolle ihrer Mitglieder unterstehen (in Mexiko fungieren die Gewerkschaften eher als Arbeitsvermittlungsstellen) und individuelle Rechte und politische Freiheiten ganz generell sehr eingeschränkt sind.

Frauenbetriebe

85 % der weltweit ca. 30 Millionen Beschäftigten im Bereich der Maquiladoras sind Frauen (allerdings schwanken die Zahlen von Branche zu Branche deutlich). Sie sind neben den oben erwähnten unmenschlichen Arbeitsbedingungen besonderen Schikanen ausgesetzt. Es ist z.B. durchaus üblich, dass bei der Einstellung Blut- und Urinproben genommen werden, u.a. um zu testen, ob eine Schwangerschaft vorliegt. Mancherorts müssen die Frauen sogar regelmäßig ihre Monatsbinden vorzeigen und liegt eine Schwangerschaft vor, wird den Frauen mit Nachdruck nahegelegt, zu kündigen, mit der Begründung, dass Schwangere zu langsam arbeiten.
Der Gang zur Toilette ist überwacht und immer wieder berichten Frauen von sexueller Belästigung.
Ein Problem stellt für viele Frauen auch der Weg von und zur Arbeitsstelle dar. Vor allem wenn der Weg weit ist und – bei Schichtarbeit – im Dunkeln zurückgelegt werden muss und wenn der Lohn nicht ausreicht, um den öffentlichen oder firmeneigenen Bus zu bezahlen, befinden sich Frauen in Gefahr und sehen sich Übergriffen ausgesetzt.

Keine Umweltstandards

Da sich die Firmen an keine Umweltstandards halten und Luft, Wasser und Boden verseuchen, wurden mancherorts vermehrt Fehlgeburten und missgebildete Kinder beobachtet.
Aber trotz der schlechten Arbeitsbedingungen und der Schikanen, können es sich die oftmals ungebildeten Beschäftigten in der Regel nicht leisten, ihren Arbeitsplatz aufzugeben, da es zur Arbeit in der Maquiladora keine Alternativen gibt, v.a. wenn die einheimische Industrie zerstört ist, staatliche Leistungen durch Strukturanpassungsprogramme abgebaut werden und die Möglichkeit der Subsistenzlandwirtschaft durch Vertreibungen und Enteignungen von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen auch entfällt.

Internationale Solidarität

Um so wichtiger ist es, dass wir uns mit den dortigen Beschäftigten solidarisch zeigen und – anstatt im Standortdenken gefangen die dortigen Beschäftigten als Konkurrenz zu betrachten – eine Angleichung der Löhne, der Arbeitsbedingungen und des Lebensstandards mindestens an unseren verlangen. Damit uns Regierungen und UnternehmerInnen nicht mehr erpressen können und wir endlich die Abwärtsspirale aus Hunger, Ausbeutung und Diskriminierung durchbrechen.

 

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