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Castortransport – tödlicher Unfall: Der Kampf muss weitergehen | Drucken |  E-Mail
Karl Lindt   
01.12.2004
Am 07. November wurde der 21jährige Anti-Atomaktivist Sébastien Briant während einer Gleisblockade in Avricourt anlässlich des Castortransportes nach Gorleben tödlich verletzt. Trotz Trauer stellten sich dieses Jahr wieder mehrere tausend Menschen quer.

„Die Atomkraft hat gestern auf den Schienen getötet“ begann am 8. November ein Artikel in der französischen Tageszeitung Libération. Denn am Sonntagnachmittag wurde der 21jährige Sébastien Briant beim lothringischen Avricourt vom Castorzug überrollt. Der junge Anti-Atomaktivist hatte sich zusammen mit anderen AktivistInnen eine Woche zuvor für eine Blockadeaktion entschieden, um die Angreifbarkeit dieser Transporte publik zu machen, so eine Stellungnahme seiner Bezugsgruppe (randbild 13.11.2004).

Aktivisten waren vorbereitet

Da die Blockade in einer lang gestreckten Kurve stattfand und die Einsicht durch den Lokführer dementsprechend gering war, bereiteten sich die Aktivisten schon darauf vor, dass eventuell der Zug nicht anhalten würde. Sie lagen zu viert neben den Schienen, niemand lag zwischen den Schienen und die Arme waren in den Röhren noch nicht zusammenkettet, um im Notfall die Gleise schnell verlassen zu können.
Der Vorstopp, der den Zug 1500 Meter vor der Blockade warnen sollte, schlug fehl, da die entsprechenden AktivistInnen bedingt durch die Fahrtgeschwindigkeit des Zuges von 98 km/h und der ihn umgebenen Gendarmerie keine Möglichkeit hatten, auf sich aufmerksam zu machen. Die beiden anderen in die Planung mit einbezogenen Sicherheiten der Blockierer konnten auch nicht greifen. Der Helikopter, der eigentlich immer dem Zug vorausfliegt und die Bahnstrecke überwacht, war kurz vor dem Unglück zum „Tanken“ abgezogen worden, ohne dass ein Ersatz bereitgestellt wurde. Zur Überwachung der Gleise vor dem Zug waren nur zwei Motorradpolizisten vorhanden, von denen einer die Blockierer übersah und der andere sie zwar wahrnahm und dem Lokführer meldete, jedoch kam die Info zu spät beim Lokführer an, um noch rechtzeitig bremsen zu können.

Missachtung der Sicherheitsbestimmungen für Castoren

Der Castorzug verfügte über eine „MA-100“ Spezialgenehmigung, welche ihn offiziell dazu „berechtigte“ bis zu 100 km/h zu fahren. Die französische linke Eisenbahnergewerkschaft Sud Rail dementierte aber, dass der Zug mit diesem Tempo legal fuhr. „Der Transporter sei trotz der Genehmigung zu einer ‘vorsichtigen Fahrt verpflichtet gewesen, hätte also jederzeit dazu in der Lage sein müssen, vor jedem `auftauchenden Hindernis´ anhalten zu können. `In den Kurven wären das maximal 20 oder 30 Stundenkilometer´, sagte Gewerkschaftssprecher Dominique Malvaux“(junge Welt 10.11.2004).
Zu einer vorsichtigen Fahrt und einer besseren Überwachung der Strecke gab es genügend Gründe im Vorfeld des Unfalls. So blockierten bei Nancy kurz zuvor CastorgegnerInnen für drei Stunden die Transportstrecke. Auch war schon Wochen zuvor durch entsprechende Pressemitteilungen bekannt gegeben worden, dass es in der ostfranzösischen Region Elsass-Lothringen verstärkt zu Blockaden kommen würde. Trotzdem war der Helikopter für Luftüberwachung nicht zur Stelle und der Zug fuhr auch in dieser Situation mit Höchstgeschwindigkeit. Schlussfolgernd fragte Malvaux: „Was wäre gewesen, wenn das Hindernis kein Demonstrant, sondern ein Lastwagen gewesen wäre“?

Große Bestürzung

Im Wendland sorgte die Nachricht vom Tod Sébastiens für große Bestürzung. Sämtliche Aktionen die für den Tag geplant waren, wurden abgesagt. Stattdessen riefen die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, ROBIN WOOD, Greenpeace und die Initiative x-tausend mal quer zu einer Trauerkundgebung in Hitzacker (Wendland/Niedersachsen) auf. Doch die Trauer wandelte sich nicht in Resignation und Verbitterung, sondern führte im Gegenteil zu zahlreichen Sitzblockaden, Festkett- und Kletteraktionen, zu Mahnwachen, Andachten und Trauerkundgebungen. „Sein Tod hat die Öffentlichkeit neu aufgerüttelt und das Augenmerk auf die unverantwortliche und lebensverachtende Atompolitik der Regierungen und Konzerne gelenkt. Es darf jetzt keine Rückkehr zum Alltagsgeschäft geben. Die Debatte über den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie, insbesondere in Deutschland und Frankreich, gehört jetzt auf die politische Tagesordnung“, sagte Jürgen Sattari, Vorstandssprecher von ROBIN WOOD.
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